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LarpWiki: Meinung/Charakterdarstellung/BlöderHutCredo

"Ein vernünftiges Charakterkonzept beginnt immer mit einem möglichst blöden Hut!"

  • Hats have power. Hats can change you into someone else.

    • Catherynne M. Valente - The girl who circumnavigated Fairyland in a ship of her own making

Klingt komisch, ist aber so.

Was aber steckt dahinter? Recht einfache Psychologie für Anfänger.

Ein Mensch möchte etwas in einem Spiel darstellen. Da der Mensch - besonders in seiner Unterart des Deutschen - leicht dazu tendiert, alles, was Spaß macht, besonders ernst zu betreiben (allfällige Ungläubige verweise ich auf die institutionalisierten Hochburgen des Frohsinns, die sich Karnevalsvereine, Prunksitzungen, oder Straßenfasching nennen), ist immer die Gefahr gegeben, dass man im Spiel alles zu ernst sieht und dadurch sich selber und anderen schon im Ansatz den Spaß nimmt.

Wie kommt da nun der blöde Hut ins Spiel?

Recht einfach. Jemand, der einen offensichtlich albernen Hut trägt und sich dessen auch bewusst ist, bricht damit die "Ernsthaftigkeit" seiner dargestellten Figur, er bringt dieses gewisse Augenzwinkern mit, das seinen Mitspielern signalisiert: "Hallo, ich bin gar nicht so ernst, wie ich tue, ich bin ein recht lustiger Mensch, guckt einfach meinen Hut an!" Damit zeigt er an, dass er das alles noch als Spiel sieht und nicht als tierisch ernste Verkleidungsshow, bei der man sich Sorgen machen muss, wie jemand auf spielerische Aktionen reagiert, weil nicht mal mehr sicher ist, ob der Mitspieler über sich selber lachen kann, geschweige denn über andere.

Was ist nun der Unterschied zwischen einem blöden Hut und einer albernen Kopfbedeckung?

Schwer zu erklären. Gehen wir zunächst davon aus, dass der "blöde Hut" etwas ist, das immer noch als Hut erkennbar ist und das sein Attribut "blöd" oft nur der Tatsache verdankt dass es heutzutage für "moderne Menschen" nicht gebräuchlich ist. Klassisches Beispiel ist die Bundhaube oder auch das "Babykäppchen", das während weiter Teile des Mittelalters von wirklich jedem getragen wurde. Die alberne Kopfbedeckung ist jedoch etwas vollkommen anderes. Sie ist sehr kontextbezogen und kann auf bestimmten Cons wirklich außerordentlich gut wirken, auf anderen komplett deplaziert sein. Beispiele gibt es dazu besonders auf Spielen der Tikon Reihe, und dort insbesondere bei Magierakademien, bei denen ein Hut schon mal ein umgedrehter Lampenschirm mit hindurchgeflochtenen Haaren sein kann.

Und zu guter Letzt muss man natürlich auch sagen, dass ein Spieler, der sich mit einem albernen Hut unter seine Mitspieler wagt, nicht unbedingt den unsympathischsten Ansatz zur Kontaktaufnahme pflegt. Denn wo bitte steht geschrieben, dass alles, was finstere Ziele verfolgt, auch so angezogen sein muss?

Man mag einwenden, das alles sei übersteigert und eine nicht haltbare Vorschrift. Es ist ein Vorschlag, mehr nicht. Keiner muss sich dran halten, keiner muss sowas tun; dies ist wie üblich ein freies Land.

-FredSchwohl, 24.01.2005

Dazu kommt, dass Hüte auch durch eine andere Eigenschaft Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Rosary O`Neill, amerikanische Theaterdirektorin, wies uns in einem "Acting"-Seminar darauf hin, dass der Hut oder die Kopfbeckung sozusagen die Körper-Vertikale verlängert und den Blick nach oben lenkt. Das lässt Schauspieler auf der Bühne größer wirken. Warum sollte man das im Larp nicht ausnutzen? Natürlich wirken "kopfnahe" Hüte wie Bundhauben eher dadurch, dass unsere Augen an den Anblick nicht mehr gewöhnt sind. --Maria, 27.01.2005

Und wo gerade vom Theater die Rede ist: Schon in der Antike wusste man, dass sich Menschen vor allem an den Kopf eines anderen erinnern. Im klassischen, antiken Theater war die wesentliche Verkleidung der Darsteller eine Maske mit auffälligen Gesichtsmerkmalen, welche den Zuschauer möglichst an einen bestimmten Menschenschlag erinnern sollten. -- PatrickC

Dieses Credo taucht auch sehr schön in einem Hägar-Comic (ISBN 3-442-06964-5) auf. Sven Glückspilz zählt Hägar auf, welche drei Dinge einen Wikinger auszeichnen: Mut, Verstand ... und ein drolliger Hut. ;-) --TilmannHolst, 21.02.2004

Ebenso in dem Cartoon, wo sich Sven Glückspilz einen Hut mit Hörnern wünscht. "Dann wär' ich der Kapitän", meint er. Häger gibt zurück, dass nicht der Hut, sondern seine natürliche Ausstrahlung ihn zum Kapitän macht. Um dies zu beweisen, gibt er Sven seinen gehörnten Hut und setzt sich dessen Trichterhut auf. Als ein Fremder kommt, schaut er die beiden mit ihren vertauschten Hüten irritiert an, und fragt dann: "Kann mir einer von euch Komikern sagen, wo ich den Kapitän finde?" Der Cartoon wurde auch für einen Werbespot der Brauerei Flensburger nachgestellt. Die Rollen von Hägar und Sven übernahmen ein friesischer Kutter-Kapitän und sein Matrose. Zum Werbespot -- DutchVanLeuwen, 23.01.2009

Auch die Monty Pythons wussten: "Die Menschen tragen nicht genug Hüte" (Der Sinn des Lebens). --scout, 16.11.2005

Den drolligsten Hut habe ich hier: http://www.larhgo.de/bilder/yorkfeuer_2004/th/tn.p4100033.jpg --TilmannHaak (2005)

Der Klassiker

Bekannt aus einschlägigen Büchern und Filmen: Der hohe, spitze Magierhut. Samtiger Bezug mit goldenen Sternen und Monden, sowie einer leicht gebogenen und verzierten Spitze. Stilecht mit langem Stab. Alles so schön bunt hier. Wer das Wort "Zaubberer" zu lesen wähnt, ist dem literarischen Imperativ zum Opfer gefallen.

Zuviel des Guten

Man sollte bei aller Komik allerdings auch beachten dass der Hut zum Charakterkonzept passen sollte. Bunte Spaß-Zylinder, wie man sie als Fan vielleicht im Fussballstadion oder auf dem Oktoberfest im Bierzelt trägt, sehen im LARP tatsächlich meist einfach nur bescheuert aus. Insbesondere, wenn sie dann nicht mal wirklich in das Charakterkonzept eingebunden sind.

http://www.larpwiki.de/uploads/hut.jpg

Beispiele für Blöde Hüte

...findet ihr z.B. auf den Seiten von

Schnittmuster/Anleitungen und Bezugsquellen

LarpSchnittMuster
Bastelanleitung für eine Bundhaube von RickS. BezugsQuellen Hüte
Filzanleitung für einen Hut, Schritt für Schritt mit Fotos (die Fotos sind nur für eingeloggte User sichtbar, der Account ist kostenlos)
Buchtipp: Henriette K. Foldenauer: Hüte und Mützen filzen. ISBN 3898587282


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