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PlattenRüstung

Plattenrüstung

Die Plattenrüstung ist zweifelsfrei eine der beliebtesten Rüstungsarten im Larp. Man könnte boshafterweise behaupten das dies an den vielen Punkten liegt die man nach den meisten Regelwerken dafür erhält. Ein weiterer Grund ist aber auch das breite Angebot und der günstige Preis für viele einfache Modelle.

Der Plattenharnisch kommt erst relativ spät im Mittelalter auf nämlich im 13. und 14. Jahrhundert. War vorher der Schutz durch Kette und Gambeson völlig ausreichend, wurde durch die Verbreitung der Armbrust, des Langbogen und der frühen Schusswaffen ein besserer Schutz notwendig. Man begann um 1300 bis 1320 empfindliche Stellen wie den Hals, die Ellenbogen und die Knie mit einfachen Platten die auf das Kettenhemd genestelt wurden zu schützen. Ebenso kamen simple Arm und Beinschienen aus den verschiedensten Materialien auf und der Torso wurde mit dem PlattenRock geschützt. Gleichzeitig nahm der Helm zum besseren Schutz komplexere Formen an, was wiederum die Handwerker zwang neue Techniken zu entwickeln. Der normale Topfhelm war noch recht leicht aus Platten zusammen zu nieten, neuere Helme mussten aus einem Stück hergestellt werden.

All dies führte dazu das im 14 Jahrhundert komplettes Arm- und Beinzeug sowie einteilige Brustplatten entstanden. Das hierdurch der Schild wegfallen konnte und die zweite Hand frei wurde um durchschlagskräftigere Waffen zu führen beschleunigte die Entwicklung nur zusätzlich. Spätestens mit Beginn des 15. Jahrhunderts zogen die Ritter und Reisige in vollem Harnisch aufs Feld und in der Mitte des Jahrhunderts wurde laut einigen Ordonanzen auch von Fußknechten und Armbrustschützen Brust, Rücken und ArmZeug gefordert.

Anfang des 15. Jahrhunderts ist eine vollständige Rüstung entstanden die den Träger komplett mit Stahl umgibt und nicht mehr wie vorher aus Platten besteht die auf eine Trägermaterial wie Leder oder Leinen aufgesetzt ist. Diese Rüstung wird in zeitgenössischen Quellen als "weiße Rüstung" bezeichnet und es gilt als schick sie eben nicht unter Wappenrock oder Tappert zu verbergen. Herausragende Merkmal waren eine recht einfache einteilige Brust, sowie ein langer Tonnenrock der den Übergange zu den Beinen schützen sollte. Aus dieser an sich eher simplen Rüstung teilen sich zwei Entwicklungsformen die maßgeblich sein werden für die Formbildung der Rüstungen, der italienische und der deutsche Stil.

Der Italienische oder Mailänder Stil:

Die Italiener waren bis gegen Ende des 15. Jahrhunderts maßgebend bei der Rüstungsherstellung, sowohl was die schiere Masse als auch den Stil angeht. Der einfache Stil der frühen Rüstungen wird hier sehr konsequent weiter entwickelt zu der typischen italienischen Form des Quattrocento-Harnischs, der um 1440 abgeschlossen ist: Avant-Harnsich um 1440 - ToterLink {X} (15.10.2015)

Der italienische Stil setzt weiterhin auf große abgerundete Flächen, einen Vollhelm, hier der Armet und schützt empfindliche Stellen durch große Verstärkungsstücke, hier Ellenbogen und Schultern. Darunter wird immer noch ein komplettes aber sehr feines Kettenhemd getragen, hier sogar noch ein weiterer Schurz darunter. Nachteil dieser Rüstungen ist allerdings das vergleichsweise hohe Gewicht, da in Italien der Fußkampf der Ritter im Gegensatz zu Nordeuropa kaum eine Rolle spielte. Auch wurden diese Harnische nicht so oft gehärtet wie z.B. gotische, was eine höhere Materialdicke bedingt. Derartige Harnische wiegen selten unter 25kg, gerne aber mal über 30kg. Auch gibt es keine knechtischen oder leichten Harnische im italienischen Stil, allenfalls eine leichte Barbuta wurde statt des Armets getragen. Zum Ende des Jahrhunderts wird die Silhouette dann aber schlanker, was vermutlich dem zeitgeschmack mehr entgegen kam: San Severino-Harnisch um 1480 mit unpassendem Helm - ToterLink {X} (15.10.2015)

Deutscher Stil:

Die Entwicklung in den wichtigen Rüstungszentren nördliche der Alpen, vornehmlich Nürnberg, Augsburg, Landshut und Innsbruck lief etwas weniger direkt. Aus dem Grundmodell des frühen Jahrhunderts entwickelte sich zuerst eine eigenartige Form, die Kastenbrust - ToterLink {X} (15.10.2015) von der es nur wenige erhaltene Stücke und keinen einzigen kompletten Harnisch gibt. Diese Rüstung konnte sich auch nur schlecht im restlichen Europa durchsetzen, es bleibt bei einer kurzen Mode. Abgelöst wird er durch den gotischen Harnisch, der leichter ist als der italienische aber durch die reich kannelierte Form, die Stöße und Schläge ableiten kann, sowie bessere Wärmebehandlung auch sehr sicher ist und dem Zeitgeschmack sehr entgegen kommt. Verglichen mit den italienischen Modellen wirkt die Silhouette viel zierlicher und entspricht der zivilen Mode die durch die Kannelierungen teilweise nachgeahmt wird. Das geringere Gewicht kommt zudem dem Kampfstil der Nordeuropäer zu Gute die spätestens seit Acincourt den Kampf zu Fuß bevorzugen. Beispiel eines gotischen Prunkharnisches - ToterLink {X} (15.10.2015) Typische Merkmale sind runde Schwebescheiben, eine geteilte Brust und vor allem der Schaller als Helm.

Mischformen:

Es gibt etliche Stile die versuchen diese beiden Stile zu kombinieren. Zuerst natürlich den Versuch der italienischen Hersteller sich dem Geschmack ihrer deutschen Kunden anzupassen, da die deutschen Hersteller erheblich weniger Ware fertigen und somit die Nachfrage nicht befriedigen konnten. Es entstand der Stil "alla Tedesca" nach deutscher Art. Optisch nähert er sich dem gotischen Stil an, behält aber einige Konstruktionsmerkmale des italienischen Harnischs, wie Rücken und Lanzenhaken. Auch einfache knechtische Harnische wurden gerne in einem gotischen Stil gefertigt, wie dieses Beispiel

Zudem mischten die Stile anderer Länder wie England und Frankreich die bestehenden Stile und entwickelten daraus zum Teil eigene Merkmale. In Frankreich z.B. wurde die Grundform des italienischen Harnischs beibehalten aber mit symmetrischem Armzeug nach gotischem Stil und gerne auch der Schaller getragen. In England mischten sich die Formen noch stärker und es schein reine Geschmacksfrage wie ArmZeug und Helm gestaltet sind. Hier eine Beispiel - ToterLink {X} (15.10.2015)

Schließlich mündeten all diese Formen mit Beginn des 16. Jahrhundert in deinen allgemein üblichen Harnisch, der aber sehr extravaganten Schmuck aufweisen konnte. Die bekannteste Form ist der maximilianische Harnisch - ToterLink {X} (15.10.2015) der sich durch eine reiche Kannelierung auszeichnet, die aber bei weitem nicht alle diese Rüstungen aufweisen. Eine weitere Abart ist der Trabharnsich der besonders in seiner knechtischen Variante als Schwarz-weiß-Harnisch bekannt ist.

Hier will ich die Entwicklungsgeschichte auch beenden, die zwar interessant bleibt aber kaum noch irgendeinen Bezug zum LARP aufweist

Tragen einer Rüstung

Historische Rüstungen wurden über einem Wams aus festem Stoff und/oder einem Kettenhemd getragen. Dieses Wams hatte einen sehr großen Einfluss auf die zivile Mode und hat die Entwicklung der kurzen Herrenjacke beeinflusst die bis heute als Jackett üblich ist. Diese Rüstwämser waren zeitweise auch gut gepolstert, in der Hochzeit der Plattenrüstung aber eher dünn und fest. Zu den italienischen Harnischen waren geplosterte Schultern üblich. ArmZeug, Schultern und BeinZeug wurde direkt auf dieses Wams genestelt, dadurch waren die Teile untereinander sehr flexibel. Das Kettenhemd kam in Nordeuropa unter der Rüstung in der Mitte des 15. Jahrhunderts völlig aus der Mode, in Italien hielt es sich noch einige Jahrzehnte länger bis zum verschwinden des Mailänder Harnisches.

Die allermeisten Plattenrüstungen werden im LARP einfach über normaler Kleidung oder einem Gambeson getragen. Dabei werden die Schultern fast immer an einem Ringkragen befestigt. Das behindert den Träger völlig unnötig. Ein zu dicker Gambeson ist kaum nötig, die Wucht des Angriffes wird auch ohne dicke Polsterung zuverlässig verteilt. viel wichtiger als diese ist eine gute Passform. Falten unter einer Rüstung können wirklich unangenehm werden. Ein dünnes aber festes Wams oder ein vergleichbares Kleidungsstück machen da mehr Sinn.

Das ArmZeug wird idealerweise an diesem Rüstwams befestigt. Das mindert die Beweglichkeit nicht im mindesten erhöht sie sogar das die Befestigung direkt am Gelenk, sprich der Schulter stattfindet. Andererseits wird unfreiwilliges verrutschen der Rüstung minimiert.

Natürlich ist es nicht immer möglich eine solchen Rüstwams zu tragen. Sei es weil man keine Quelle dafür hat, oder das man nur Rüstungsteile trägt. Bei letzterem kann es sein das man lediglich Rüstungsteile über einem Kettenhemd trägt. Dann kann man dieses statt des Rüstwamses nehmen und die Schultern schlicht am Kettenhemd festnesteln. Eine ebenfalls brauchbare Alternative ist es die Schultern an den Schulterriemen der Brustplatte zu befestigen.

Noch wichtiger ist die richtige Befestigung beim BeinZeug. Dieses einfach an einen Gürtel zu hängen kann sehr sehr unangenehm werden, da dieser verrutscht, sich verdreht und an der Hüfte scheuert. Ich kann wieder nur die historische Befestigung empfehlen, an einem Rüstwams nämlich, allerdings ist es auch sehr gut machbar einen breiten Gürtel, evtl. einen aus dem Body-Building-Bedarf zu nehmen und daran das Beinzeug zu befestigen.

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