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SteppWams

Steppwams / Gambeson

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Eine der historisch wichtigsten, (im LARP aber unterrepräsentierten) Rüstungstypen ist der Gambeson, ein längs, quer oder rautenförmig abgestepptes, gefüttertes Wams, welches entweder unter der eigentlichen Rüstung getragen wird (historisch gelegentlich auch darüber), oder als eigenständige Rüstung fungiert.

Historisch gab es mehrere Arten von Steppwämsern und Gambesons, je nachdem, von welchen Waffen zu der Zeit die größte Bedrohung ausging, und in welcher Kombination mit Rüstung das Wams getragen wurde:

Polsterwams

Im LARP finden häufig Modelle Verwendung, die aus zwei Lagen robusten Stoffes (meist Segeltuch aus Baumwolle) bestehen, zwischen denen eine Lage Polsterung (oft Polyesterwatte, aber auch Baumwolle, Wolle, Stoffreste oder sogar Rosshaar) eingenäht und mit längs-, quer-, oder Rautenförmigen Versteppungen fixiert wurde.
Historisch finden sich so ähnliche Gambesons besonders im frühmittelalter Mitteleuropas. Diese Varianten wurden meist röhrenförmig abgesteppt und anschließend mit Lumpen, bzw. Stoffresten fest ausgestopft.
Diese Form der Rüstung funktioniert gut gegen wuchtige Hiebe stumpfer Waffen und mäßig gut gegen Schnitte (was später zur Verbreitung von Kettenpanzern führte). Stichattacken und Pfeile durchdrangen diese Panzerung jedoch leicht, da die Spitzen von den stabilen Röhren in die schwachen Nähte dazwischen gelenkt wurden. Gerade in der Ritterschaft wurde diese Rüstungsform also schnell mit Kettengeflecht aufgewertet.

Aketon

Diese Variante des Gambesons besteht aus mehreren (8-25) Lagen robusten Stoffes (historisch: Leinen; im LARP: oft Baumwolle), die meist Rautenförmig versteppt waren.
Diese Rüstung weist keine Schwachstellen mehr an den Nähten auf, da dort genau so viele Stoffschichten für Schutz sorgen, wie rundum.
Diese Form der Rüstung ist sehr steif und robust, und wird kaum unter Kettenhemden getragen, da sie alleine bereits gut vor Hieben, Schnitten und Pfeilbeschuss schützt. Mit dem Aufkommen von spitzen Langschwertern, leistungsstarken Armbrusten und ersten Feuerwaffen wie dem Handrohr, im Spätmittelalter Mitteleuropas, wurden diese Rüstungen jedoch auch oft von einfachen Soldaten und Kriegsknechten über den Ringpanzern getragen. Bei der Ritterschaft vollzieht sich etwa zu dieser Zeit der langsame Wechsel von Kettenrüstungen mit Plattenrock (unter denen bis dahin oft ein Gambeson getragen wurde) hin zu Plattenrüstungen, die mit einem vergleichsweise dünnen Rüstwams auskamen und dennoch ausreichend Schutz vor den neuen Bedrohungen boten.

Rüstwams

Im Spätmittelalter, mit Aufkommen der Plattenharnische, bevorzugte man eng sitzende, leichter wattierte Rüstwämser, die teilweise mit Kettenhemdflicken an Stellen wie Hals und Achseln verstärkt waren. Da eine gut sitzende Plattenrüstung schon recht guten Schutz vor Wuchteinwirkung bietet, dienten diese mehr der Bequemlichkeit beim Tragen und dem Schutz vor Scheuerstellen, sowie als Anknüpfungspunkt für Nestelschnüre, mit denen Plattenrüstungen am Träger fest gebunden wurden. Da damals die größte Gefahr von Stich- und Schusswaffen ausging, bot das Kettenhemd im Verhältnis weniger Schutz, dafür war dicke Wattierung nicht mehr so wichtig. Einige, in Museen erhaltene Stücke weisen sogar gar keine Wattierung auf. Diese Stücke bestehen aus zwei bis fünf Lagen eher feinen Leinenstoffes, die an den Nestelpunkten mit Leder verstärkt sind.
Damit die Teile der Plattenrüstungen nicht verrutschten und da Falten unter engen Plattenteilen schnell zu schmerzhaften Druckstellen führ(t)en, wurden diese Wämser hauteng auf den Träger zugeschnitten.

Im LARP

Im LARP sind Stiche zumeist verboten und wären (dank moderner Bauweise von Polsterwaffen) dennoch meist OT ungefährlich. Im Spiel geht es bei diesen Rüstungen also beinahe ausschließlich um die Darstellung.

Das Tragen eines Gambesons macht den Träger optisch "breit" und kann daher besonders für zierliche Personen zu einer kämpferischen, "wuchtigen" Optik beitragen.

Zudem machen Gambesons das Tragen von Kettenhemden angenehmer, da die Last auf den Schultern besser verteilt wird. Zusätzlich schützt der Gambeson die darunter getragene Kleidung, sowie die Haut des Trägers vor möglichen scharfen Kanten am Kettengeflecht.

Unter Plattenrüstungen von der Stange (Einheitsgrößen) kann ein dicker Gambeson Sinn machen, da er die schlechte Passform vieler Stücke zumindest ein wenig ausgleicht. Zusätzlich schützt der Gambeson den Träger verhältnismäßig gut vor OT-Verletzungen durch schlecht sitzende Plattenrüstungsteile. Unter gut passenden Plattenrüstungen wird üblicherweise nur ein Rüstwams getragen.

  • Zu jeder Form der Torso-Rüstung (also auch zum Gambeson) gehört ein Helm. (Meinung von RickS.)

Tipps und Tricks

  • Leinen bietet gegenüber Baumwolle ein wesentlich angenehmeres Innenklima, wobei Baumwolle schon allen Kunstfasern überlegen ist.


  • Polyester und andere Kunstfasern im Gambeson führen meist schnell zu strengem Geruch, da der Gambeson Schweiß aufsaugt und Kunstfaser den entstehenden Geruch nicht kompensieren kann.


  • Das beste Innenklima bieten Gambesons aus Leinen mit Wolle als Füllmaterial oder Aketons komplett aus Leinen.


  • Ist es im Sommer sehr heiß, kann man sich ein wenig Wasser in den Kragen kippen. Das Wasser wird vom Gambeson aufgesaugt und verdunstet langsam an der Außenseite, was einen kühlenden Effekt erzeugt.


  • In einem Gambeson wird es HEISS! Gerade im Sommer und in billigen Gambesons kann das für manche Spieler zu viel sein. Ein hoch roter Kopf ist ein sicheres Anzeichen von Überhitzung. In dem Fall sollte man dem Betroffenen in den Schatten bringen, ihm aus der Rüstung helfen und etwas zu trinken anbieten.


  • Wie für jede andere Form der Rüstung auch gilt im Gambeson: VIEL TRINKEN! Gerade im Sommer verliert man viel Wasser durch starkes schwitzen und sollte daher genug trinken. 3 Liter am Tag sollte man keinesfalls unterschreiten.
    • An besonders heißen Tagen mit viel Action brauche ich schon mal bis zu 10 Liter Wasser am Tag, ohne die Toilette besuchen zu müssen. Spart also nicht am falschen Ende und nehmt euch immer eine kleine Flasche oder einen Schlauch mit Wasser, sowie einen Hut mit! Wenn ihr selbst es nicht braucht, könnt ihr es immer noch anderen anbieten. Das kann OT Notlagen verhindern und sorgt nebenbei für Spiel. (Meinung von RickS.)


  • LarpDreck, Flicken und grobe Nähte lassen einen Gambeson alt und benutzt aussehen. Der Effekt lässt sich noch verstärken, wenn man für Flicken und Nähte unterschiedliche, gedeckte Farben wählt.



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