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Selbermachen/Gürteltasche/LederArbeiten

Lederarbeiten

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Nun möchte ich endlich zur eigentlichen Tasche und deren Herstellung kommen. Man sollte sich zu Beginn eine Skizze der Tasche anfertigen und daran zunächst die Maße vornotieren, um einen ersten Überblick zu erhalten. Ich habe mich dazu entschlossen, die Rückseite und den Deckel der Tasche aus einem Stück zu machen. So ergeben sich praktischerweise die Gürtelschlaufen automatisch. Ich denke, dass die Skizze unten die restliche Konstruktion gut vor Augen führt.

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Schablonen zeichnen

Ausgehend davon muss man sich genaue Schablonen erstellen, mit welchen man die Maße auf das Leder übertragen kann. Man benötigt demnach vier Teile: Das Taschenrücken- bzw. Deckelteil, das gleichzeitig später die Gürtelschlaufen bildet, das vordere Lederteil, das den Taschenkorpus abschließt, das Mittelteil, das der Tasche die Tiefe gibt und als viertes einen kurzen Streifen in der Breite des Verschlussriemens, an dem die Schnalle befestigt wird (nicht mit abgebildet). Die Breite des Mittelstreifens richtet sich nach eueren Wümschen, denn dadurch lässt sich die Tiefe der Tasche variieren. Ich habe (ohne Nahtzugabe) einen Streifen von 25mm Breite zugeschnitten. Sorgfältiges Arbeiten vereinfacht das spätere Nähen und garantiert ein gutes Aussehen der Tasche. Achten sollte man vor allem auf das korrekte und gleichmäßige Anzeichnen der Nahtzugabe. Auch muss man auf Grund der Tatsache, dass die Tasche rechts auf rechts (d.h. Hautseite auf Hautseite) genäht und dann gewendet wird, eine Zugabe einplanen, die durch das umgestülpte Leder verbraucht wird. Da nicht jedes Leder gleich ist, sollte man es an zwei Reststückchen, die man rechts auf rechts vernäht, ausprobieren, wie viel Zugabe das Wenden verbraucht, um noch auf die gewünschten bzw. benötigten Maße zu kommen. Wenn man das Leder selbst färben möchte, kann man an dem Stück auch gleich probieren, wie sich die Farbe verhält usw. Ich habe bei meinem Leder einen Überstand von 10mm für das Wenden und 5mm als Nahtzugabe hinzugefügt.

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Leder zuschneiden

Hat man etwas rumprobiert und die perfekten Schablonen fertig, kann man damit beginnen, die Schablonen auf das Leder zu übertragen. Dabei das Papier gut festhalten und mit einem weichen Bleistift rundum zeichnen. Keinen Filzstift oder ähnliches verwenden! Wenn das Leder beim Nähen nass wird, kann die Tinte des Stiftes ins Leder einziehen, was wohl zu vermeiden ist. Sind alle Teile platzsparend auf dem Leder markiert, kann man sie sorgfältig ausschneiden. Am Ende hat man also 3 Lederstücke vor sich. (Der kurze Streifen für die Schnalle ist nicht mit gezeigt)

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Leder färben

(Überspringen, wenn man bereits gefärbtes Leder verwendet) Die einzelnen Lederstücke können nun eingefärbt werden. Dazu verwendet man kleine Schwämmchen (einfache Spülschwämme in kleine Würfel oder Quader schneiden, günstig und gut) oder Daubers. Bei Schwämmchen sollte man darauf achten, keine "Pfützen" mit der Farbe auf dem Leder zu hinterlassen. Der Grund dafür ist, dass die Schwämme sich stark vollsaugen und so viel Farbe auf das Leder bringen. Also immer nur eine kleine Ecke in die Farbe tauchen und das Ganze gut verstreichen. Hinweis: Auch die Kanten müssen mitgefärbt werden. Bei diesem Projekt habe ich zum ersten Mal selbst Leder gefärbt, zwischenzeitlich dachte ich, dass ich was total falsch gemacht habe, weil direkt nach dem Auftragen der Farbe das Leder extrem fleckig und unregelmäßig gefärbt erscheint. Doch nach dem Trocknen sah es so aus wie ich es wollte. Und so sehen die Lederteile nach dem Färben aus.

http://img139.imageshack.us/img139/5752/Leder_gefrbt3b.jpg http://img139.imageshack.us/img139/7566/Leder_gefrbt1b.jpg

Leder vernähen

Man beginnt nun den Taschenkorpus, also die Rückseite mit dem Mittelstreifen und diesen mit der Vorderseite zu vernähen.

Als erstes zeichnet man eine Linie, etwa 5mm vom Rand des Leders entfernt, welche die Nahtlinie markieren soll. Natürlich lässt sich das Leder nicht einfach so wie Stoff aneinander nähen. Im nassen Zustand lässt sich Leder viel leichter vorstechen und auch nähen. Das heißt, man muss das Leder zunächst in Wasser einweichen. Es dauert einige Minuten bis eine Viertelstunde und das Leder ist weich, flexibel und leicht zu durchstechen.

http://img139.imageshack.us/img139/8358/Leder_genht4.jpg http://img139.imageshack.us/img139/2171/Leder_vorgestochen.jpg

Eine konstruktrionelle Eigenart der Tasche ist, dass auf Grund des Einsetztens des Mittelteils eigentlich gerade Kanten (nämlich die des schmalen Lederstreifens) mit runden Kanten (der der Vorder- bzw. Rückseite) verbunden werden müssen. Im nassen Zustand lässt sich das Leder zu einem gewissen Grad verformen, sodass die konvexen und konkaven Bereiche gut angeglichen werden können. Die Nählöcher müssen wie gesagt vorgestochen werden. Dazu verwendet man die Ahle, ausgerüstet mit einer Rund- oder Schwertahle. Für mich hat es sich als die beste Methode herausgestellt, zunächst die Löcher in der Vorder- bzw. Rückseite zu stechen, dann den Mittelstreifen anzulegen und diesen nun Stück für Stück durch die schon vorhandenen Löcher auch vorzustechen. Man sollte nur nach und nach den Mittelsreifen vorstechen und immer wieder ein Stück nähen, sodass das Ganze nicht verrutschen kann. Für die Naht verwende ich ungebleichtes Leinengarn. Das ist robust und sieht auch noch gut aus.

http://img180.imageshack.us/img180/1850/ledergenht3pf6.jpg

Zu dem verwendeten Stich möchte ich nun kommen. Das Ganze ist schlecht mit Worten zu erklären. Ich habe deshalb eine kleine Skizze dafür angefertigt. Man schneidet ein Stück Faden ab und fädelt nun nicht nur an einen, sondern auch am anderen Ende eine Nadel ein. Man hält also in jeder Hand eine Nadel, die durch den Faden miteinander verbunden sind. Der erste Stich erfolgt mit einer der beiden Nadeln durch das erste vorgestochene Loch (es ist egal ob von unten oder von oben). Der Faden wird soweit hindurchgezogen, bis er auf beiden Seiten gleichlang ist. Jetzt sticht man mit der oberen Nadel von oben nach unten durch das zweite Loch. Mit der unteren Nadel vollführt man das Gegenteil, also im zweiten Loch von unten nach oben. Nun haben obere und untere Nadel quasi die Plätze getauscht. Es geht immer so weiter bis man schließlich am Ende der Naht angelangt ist oder der Faden zu Ende ist. Die Naht sollte beendet werden, wenn einer der beiden Fäden kürzer als 15cm ist, damit man noch bequem einen Knoten machen kann. Es ist egal auf welcher Seite des Leders der Knoten gemacht wird, denn nach dem Wenden sieht man die innere Naht nicht mehr.

http://img329.imageshack.us/img329/2218/taschestichxc4.jpg

Wenn die erste Naht beendet ist und der Faden verknotet ist, legt man das zweite Teil an und vernäht es in der oben beschriebenen Weise mit dem Mittelstreifen. Es ist darauf zu achten, dass das Leder richtig herum angelegt wird, also Haut auf Haut.

Beim annähen des Hinterteils muss man einen etwa 2cm breiten, 10cm langen Streifen in der Mitte der Tasche (im Mittelpunkt zwischen den beiden Rundungen) mit in die Naht einarbeiten, an dem später die Schnalle befestigt wird. Der Streifen wird mit der kurzen Seite auf die Nahtlinie gelegt (Vorsicht mit den Lederseiten) und mit eingenäht

http://img176.imageshack.us/img176/7634/ledergenht8ww5.jpg http://img204.imageshack.us/img204/929/ledergenht7ke7.jpg

Die Naht wird dann ganz normal bis zum Ende ausgeführt. Nun sollte man den Taschenkorpus, zwar noch links herum, aber fertig vor sich liegen haben

http://img139.imageshack.us/img139/3337/Leder_genht2.jpg

Nun wird die Tasche noch einmal gut angefeuchtet und wenn das Leder geschmeidig ist auf Rechts gewendet. Sollten sich die Rundungen nur schwer umkrempeln, muss man das mit ein wenig Geduld herausmassieren.

http://img176.imageshack.us/img176/470/ledervernhtfertig1ss8.jpg

Die Näharbeiten sind damit abgeschlossen und die Tasche sollte nun trocknen. Das Leder aber nicht an einen warmen Ort legen, sondern langsam bei Raumtemperatur trocknen lassen. Nach dem Trocknen muss das Leder gefettet werden, damit es geschmeidiger wird und keine Risse bekommt. Mit etwas Lederfett oder Melkfett einreiben und gut einziehen lassen.


Credits: Tobias Kreitel


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