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Meinung/Regeln/PrioritätenImLarpKampf

Prioritäten im Larpkampf

  • Dies ist ein Versuch, relativ allgemein gehaltene Kampfrichtlinien aufzustellen, die versuchen, das GewinnenWollen speziell im Larpkampf zu problematisieren und im Verhältnis zu anderen Werten an die richtige Stelle zu rücken, ohne es völlig ausklammern zu wollen. Die Richtlinien sind also (auch wenn's am Anfang nicht so klingt) im Prinzip vereinbar mit einem wettkampforientierten Kampfsystem.

Diesen Kampfrichtlinien liegt folgendes Verständnis vom Kämpfen im Larp zugrunde: Wir kämpfen an sich nicht gegeneinander, sondern wir stellen miteinander einen Schwert-Kampf (oder Axt-Kampf oder was auch immer) dar.

Es gibt vier Hauptpunkte, auf was es beim Kämpfen ankommt, und zwar in folgender Reihenfolge der Priorität:

1.Sicherheit

Oberste Priorität hat, dass sich möglichst niemand real verletzen sollte. Blaue Flecken kommen schon mal vor (auch darüber sollte sich jeder bewusst sein), aber sowohl die blauen Flecken als auch Schlimmeres wollen wir nach bestem Wissen und Gewissen vermeiden. Das hat Vorrang vor allem anderen, vorm Rollenspiel, vor jeglicher In-Time-Konsequenz oder dem Bemühen, realistisch zu spielen, oder sonstwas. Was man alles für die out-time Sicherheit tun kann, ist ein paar mehr Worte wert und wird hier nicht ausführlich behandelt.

2.Spaß

Eine manchmal vergessene Binsenweisheit: Das Zweit wichtigste bei Larpkämpfen ist, dass alle Beteiligten dabei Spaß haben sollten. Deswegen machen wir das ganze ja schließlich. Und damit das besser geht, siehe den Grundsatz oben, oder mit anderen Worten: Spielt miteinander!

3.Show

Schließlich wollen wir als Darsteller eines Kampfes auch etwas darstellen, was gut aussieht. Dabei geht es weniger um das Konzept „Realistisch“ (denn das ist Larpkampf sowieso nicht), sondern eher um effektvoll, dramatisch (gegebenenfalls auch mit Wortgefechten ausgeschmückt), gut sichtbar (d.h auch in gewissem Maße langsam) und vielleicht in einem schau spielerischen Sinne glaubwürdig.

Dazu gehört, so zu tun als seien Waffen schwerer als sie sind, eigene Treffer effektvoll auszuspielen und vor allem auch dem Gegner, wenn ich ihn getroffen habe, Zeit zu geben, den Treffer auszuspielen, bevor ich erneut zuschlage. Das bedeute also nach einem gelungenen Treffer erstmal zurück zu weichen.

(Ansonsten besteht nämlich das Dilemma, dass das als „gutes Spiel“ bewertete Ausspielen von Treffern, in-time bestraft wird, dadurch, dass man sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gleich noch einen weiteren Treffer einfängt. Die Doppelanforderung „Ich will meinen Treffer schön ausspielen.“ und „Ich will meine Deckung nicht aufreißen und schnell wieder für alles bereit sein.“ ist unmöglich zu lösen. Wenn man die Sache mit dem Zurückweichen/Zeit Geben nicht als für alle gültige Richtlinie benutzen will, dann wäre es konsequent, auch jeglichen Anspruch an „schönes Ausspielen von Treffern“ ausdrücklich aufzugeben.)

4.Gewinnen-Wollen

Und schließlich gibt es da das kämpferische Engagement, das Bestreben, den Kampf zu gewinnen; schließlich stellt man ja einen Charakter dar, der vermutlich gerne siegreich und lebend aus der Sache raus kommen würde. Sobald man in den Kategorien von Gewinnen und Verlieren denkt, sollte das Wort „Fairness“ an oberster Stelle vor dem inneren Auge aufblinken. Wenn man Wettkampf ermöglichende, punktebasierte Kampfregeln verwendet, kann man innerhalb dessen mehr oder weniger fair Treffer Zählen und ausspielen. (Auch ein hinterhältiger Charakter kann sich out-time fair verhalten.) Man sollte in der Lage sein, dem Gegner einen wohlverdienten Sieg auch zu überlassen und zu gönnen.

Fazit: Ein bisschen Ehrgeiz ist schon in Ordnung, aber die Prioritäten sollten klar sein. Von allem, was bei einem Larpkamf wichtig ist, kommt das Gewinnen-Wollen an letzter Stelle! Viele Probleme im Larp treten auf, wenn das Gewinnen-Wollen sich in den Köpfen von Teilnehmern auf der Prioritätenskala heimlich nach oben verschiebt.

Eigene Anmerkungen:

  • Das Dilemma, dass tendenziell der bessere Schauspieler den Kampf verliert, bleibt möglicherweise im Kern immer noch bestehen, aber ich denke, es könnte durch diese Richtlinien deutlich entschärft werden. (vgl.Larp-Kampf ist nicht fair) Ich fände es interessant, wenn Orgas sich mal trauen würden, ausdrücklich auszusprechen: Wir haben nicht den Anspruch, Kämpfe mit mittelalterlichen Waffen darzustellen, sondern betreiben einen punktebasierten Wettkampfsport mit modernen, leichten Latexwaffen. Da es ja faktisch sowieso gar nicht so selten genau so läuft, wäre das doch allemal ehrlicher als sich mit der Doppelmoral vom „schönen Ausspielen“ herumzuschlagen, an die man sich auf den meisten Cons gar nicht halten kann, wenn man nicht in Kauf nimmt, immer in kürzester Zeit zu verlieren. Jeder einzelne Kämpfer steckt normalerweise in dieser Zwickmühle und muss sich mit möglichst unauffälliger Vernachlässigung des eigentlichen Ideals da durchwurschteln. Da sowieso viele letztendlich modernen Latexwaffenwettkampf betreiben, ist das doch auch eine respektable Spielweise. Wenn man höheren Wert auf die Darstellung und das Ausspielen legen will, ist das eben eine andere auch respektable Spielweise. Nur die erfordert dann auch eigen Richtlinien (wie z.B. die obigen). Es wäre nur schön, wenn Veranstalter viel viel deutlicher machen würden, auf was sie eigentlich Wert legen und was für eine Spielweise sie auf ihrem jeweiligen Con haben wollen. Dann wäre es auch einfacher, sich danach zu richten.

--RolandNordeck 8.4.07


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