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Meinung/Charaktertod/TodesStossOT

Der Todesstoß ist "OutTime"

Ein häufiger Einwand, dem man begegnet, wenn man sich gegen Todesstöße ausspricht, ist die These, es sei unlogisch oder inkonsequent, wenn ein Charakter, der zu einer Tötung entschlossen sei, diese nicht bis zuletzt "durchzieht". Wenn man einen Feind beseitigen wolle, würde man auch sicherstellen wollen, daß dieser auch wirklich tot sei.

Dieses Argument basiert auf einem Trugschluß. Der Todesstoß befindet sich nicht innerhalb der Spielwelt, sondern er ist ein reines Regelinstitut. Nur der Spieler "setzt" den Todesstoß. Der Charakter hingegen hat keine Ahnung davon, daß ein Messerstich nur dann tödlich ist, wenn man bei seiner Ausführung laut und vernehmlich "Todesstoß" sagt. Damit gibt es den Todesstoß nur im "OutTime" und er kann nicht für "InTime"-Überlegungen berücksichtigt werden.

Damit ist aber auch das Argument hinfällig, es sei für konsequentes Charakterspiel unerläßlich, einen Todesstoß anzubringen. Den Gegner (je nach Regelwerk) auf null Lebenspunkte zu prügeln bzw. auf den Tod zu verwunden und für tot liegen zu lassen, erfüllt nach bestem Wissen des Charakters den gleichen Zweck.

Natürlich wird z.B. ein erfahrener Assassine, Söldner oder Heiler doch auch InTime sehr genau wissen, wo er wie welche Wunde anzubringen hat, die unweigerlich zum Tod des Opfers führt. Und auch dem blödesten Helden (und Monster) wird nach dem Durchleben von einigen Abenteuern auffallen, dass Helden wie Bösewichter in Fantasy-Welten sehr gerne errettet, wiedererweckt, geheilt oder dergleichen werden. Insofern wird gerne argumentiert, daß die Konsequenz aus dem Säumnis, einen Todesstoß durchzuführen, durchaus in der Spielwelt beobachtbar ist.

Aber etwa ein Stich ins Herz ist ein Stich ins Herz, kein Todesstoß. Zumindest, wenn man Spiel- und Regelebene trennt. Ein Stich ins Herz ist eine IT-Handlung, die - so sie Erfolg hat - den Tod eines Charakters bedeuten sollte. Sie wird OT aber nur angedeutet und ist daher für Unbeteiligte (und streng genommen sogar für den Täter) von einem mißglückten Stich ins Herz nicht zu unterscheiden. Ein Todesstoß ist ein OT-Mechanismus, der zu 100% und ohne wenn und aber den Tod eines Charakters bewirkt. Das das nicht auf allen Bezugsebenen dasselbe ist, liegt auf der Hand.

Wenn man InTime in den Torso sticht und entweder gar nichts sagt oder genau das ("Stich zum Herz, mach draus was du denkst"), ist es regeltechnisch kein Todesstoß und das Opfer kann entweder tot sein oder auf wundersame Weise überleben. Die regeltechnische Todesstoß-Ansage, die dem Opfer keine Chance lässt, ist ausschließlich OT.

IT besteht zwischen "Stich in den Torso" und "Stich in den Torso und dabei 'Todesstoss' sagen" keinerlei Unterschied. OT hat man durch ersteres aber dem Opfer ein Schlupfloch gelassen, ohne IT inkonsequent gewesen zu sein.

--RalfHüls, 13.11.2003-14.11.2007 unter Verwendung von Kommentaren von Einhard, AndreasSchroth und Hana


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