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Meinung/Charakterdarstellung/Rüstung

LarpMeinung: Über Rüstung

Man sollte beim Zusammenstellen einer Rüstung vor allem darauf achten, ein harmonisches, schlüssiges Ganzes als Ziel zu haben, ein Gesamtkonzept. Dazu stellt sich zuerst die Frage: Welchen Hintergrund bespiele ich? Gibt es historische oder literarische Bildvorlagen?

Was man vermeiden sollte, ist die Zusammenstückelung einer Rüstung aus verschiedenen, optisch widersprechenden Teilen. Man hört dann oft die Entschuldigung "Ist doch Fäntäsie, da ist alles erlaubt", dies muss und kann man jedoch nicht gelten lassen, wenn es sich nur um eine Ausrede für Faulheit handelt.

Zu einem Kettenhemd gehören einfach keine Monsterschultern mit Klingenbrechern, und eine schöne Vollplatte setzt sich nicht aus Teilen aus 500 Jahren Menschheitsgeschichte zusammen.

Was ist KEINE gute LARP-Rüstung?

Ohne Zweifel hat sie jeder schon gesehen: die tapferen Recken mit Kettenhemd, darüber ein Wappenrock, darüber dann ein loser Kragen mit Plattenschultern - natürlich unpoliert in "blanker" Qualität. An den Schienbeinen am besten noch mit seitlich nicht gebördelten Metallschienen, gerne mit geprägten Pseudoziernieten ohne jede Funktion und, um das ganze abzurunden, geschlossene Lederarmschienen. Fertig ist der Insta-Krieger.

Leider sieht diese sehr populäre Kombination gemessen an tatsächlichen Rüstungen nicht sonderlich plausibel aus. Auch der optische Eindruck der meisten Fantasy-Vorlagen wird nicht annähernd erreicht.

Was kann man besser machen?

Eine sehr hilfreiche Möglichkeit, die stets zu sehr stimmigen und ambientigen Rüstungen führt, ist die Orientierung am historischen Vorbild oder an gut gemachten Fantasy-Vorlagen. Hier gibt es sowohl im Internet als auch in zahlreichen Quellenbüchern hinreichend Vorlagen. Ein absolutes Muss für jeden, der sich eine stimmige Fantasy Rüstung ohne historischen Bezug zusammenstellen will, ist daher auch das Buch: "Der Herr der Ringe Waffen und Kriegskunst", in welchem sehr viele Fantasy-Rüstungen und Rüstungskombinationen gezeigt und detailliert erläutert werden.

Auch etwas gesunder Menschenverstand hilft weiter: z.B. sollte man sich die Frage stellen, warum, wenn man in einem Hintergrund in der Lage ist, komplexe Plattenschultern mit Klingenbrechern herzustellen, derselbe Krieger dazu noch ein völlig veraltetes Kettenhemd und keinen passenden Plattenkürass trägt? D.h., die verschiedenen Rüstungsteile sollten optisch aufeinander und auf den Rest der Gewandung abgestimmt sein.

Poliert vs. Blank

Seien wir mal ehrlich - "blanke" Qualität ist zwar billig, sieht aber in Wirklichkeit im direkten Vergleich auch genauso aus. Plattenteile sollten vorzugsweise entweder poliert (muss ja nicht gleich Spiegelglanz sein) oder geschwärzt ([http://de.wikipedia.org/wiki/Brünieren brüniert] oder lackiert) sein. Wenn man sich polierte Qualität (noch) nicht leisten kann, sollte man lieber ganz darauf verzichten oder sich selbst ans Werk machen, ist gar nicht so schwer, nur (anfangs und je nach Grad) zeitaufwändig.

Helme

Einer der wichtigsten Wiedererkennungsfaktoren eines Charakters ist seine (möglichst originelle) Kopfbedeckung. Hierzu gehört natürlich auch ein auf den Rest der Rüstung abgestimmter Helm (welcher u.U. auch noch als zusätzlicher Sicherheitsfaktor betrachtet werden kann). Perfekterweise trägt man unter diesem noch eine (gefütterte) Haube, was auch das tragen -gerade über längere Zeit- bequemer macht. Und im Winter bleiben die Ohren schön warm ;O).

Kettenhemd und Schultern

Um eine gewisse Stimmigkeit in der Gesamterscheinung zu erzeugen sollten Plattenschultern, so sie denn mit einem Kettenhemd zusammen getragen werden sollen, eher möglichst klein und einfach gehalten sein. Zu riesigen "Schulterbergen" gehört auch ein dazu passender Plattenpanzer, keine Kette. Man kann aber z.B. ein langärmeliges Kettenhemd durchaus auch mit Ellbogenkacheln optisch verbessern. Wer historisch stimmig (und in der LARP-Realität einigermaßen originell) auftreten will, sollte in dieser Kombination keinen Plattenkragen verwenden, um die Schultern zu befestigen, sondern diese z.B. direkt am Kettenhemd festzumachen. Und, ganz wichtig, die Schultern müssen zum Träger passen. Zierliche Schultern in Größe einer CD-Box sollten möglichst nicht von Leuten getragen werden, die eher fest auf dem Boden der Tatsachen stehen. Genauso wirken dünne Asketen merkwürdig, die in ihren Schultern wohnen könnten.

Kettenhemd und Helme

Auch hier sieht man gelegentlich gewagte Kombinationen. Aber in Wirklichkeit passt zum Kettenhemd immer noch am besten die Kettenhaube, bzw. der Topfhelm - oder wenn man noch andere Plattenteile, wie Schultern oder Plattenarme, trägt evtl. auch eine Hundsgugel oder eine Beckenhaube.

Naja, historisch sind auch noch Nasalhelm, Eisenhut und Spangenhelme korrekt (siehe Kreuzfahrerbibel). Ein Spitzhelm (Normannenhelm ohne Nasal) mit Kettenbrünne, die bis unter die Brust geht, macht sich über dem Kettenhemd auch recht gut.

Schultern und Kragen

Schultern, besonders wenn man keinen vollständigen Plattenkürass trägt, gehören nach historischer Vorlage in der Regel nicht an einen Kragen. In den allermeisten Fällen sollten die Schultern enweder direkt mit dem Kettenhemd oder dem Plattenkürass verbunden werden. So ein Kragen sollte eigentlich nur in der Form eines Bartes zusammen mit einer Schaller (Sallet) getragen werden, oder z.B. zu hochentwickelten gotischen Vollplatten. Aber auch in diesem Fall gehören die Schultern eigentlich an den Kürass, und nicht an den Kragen. Es gab zwar durchaus gotische Rüstungen, bei denen sowohl Brust und Rücken als auch die Flüge (und damit meist das gesamte Armzeug) am Kragen befestigt waren, dann allerdings nicht mit Schnallen und Riemen, sondern mit drehbaren Zapfen. Der Nachteil liegt auf der Hand: Das gesamte Gewicht der Rüstung (außer Beinzeug) lastet auf dem Kragen, welcher anatomisch exakt sitzen musste, um Druckstellen zu vermeiden.

Schultern und Wappenrock

Sehr beliebt im LARP ist die "Schultern über Wappenrock" Mode: Plattenschultern und Kragen werden zusammen über dem Wappenrock getragen. Eine optisch weit bessere Lösung ist es allerdings, etwas mehr Aufwand in den Wappenrock zu stecken. Dazu werden die Schultern des Wappenrocks etwas abgenommen, so dass er anatomisch besser sitzt, und im Fall der oftmals sehr breiten Überwürfe die als Wappenrock Verwendung finden müssen die Schultern derselben umgenäht werden um relativ schmale Träger zu ergeben - dann sieht man auch die Schultern noch, welche darunter gehören.

Schultern mit Klingenbrechern gehören eigentlich sowieso nur an eine gotische Vollplatte oder ähnliches - und dazu sollte man gar keinen Wappenrock tragen. Bunter Federbusch am Helm, Wappenschild, Gambeson in den passenden Farben, ein kurzes Röckchen über oder unter der Rüstung - das ist alles OK, aber kein Wappenrock!

Wappenrock

Ein guter Wappenrock ist geschlossen, z.B. an den Seiten mit Riemen und Schnallen o.ä.. Auch kann der Wappenrock ruhig gefüttert sein - gerade wenn er offen um die Beine flattert sieht das dann sehr gut aus.

Bemalung

Es gibt durchaus Beispiele für bemalte Helme oder Rüstungen. Das sieht viel besser aus als man glaubt.

Wenn Fantasy - dann FANTASY

Es gibt durchaus optisch extrem ansprechende Fantasy-Rüstungen, als Beispiel seien hier nur mal die Rüstungen der Maschinistengilde von http://www.eysenkleider.de genannt, aber ein einfaches Sammelsurium verschiedener Rüstungsteile aus diversen historischen Epochen gehört sicher nicht dazu.

Gambeson

Als Gambeson (Synonyme bzw. verwandte Begriffe: Padded Jack, Gambeis, Cotte à Armer, Steppwams, ...) werden gemeinhin textile Rüstungen bezeichnet - also welche aus Stoff. Da es von diesen nur wenige archäologische Funde gibt, ist eine historisch genaue Darstellung/Rekonstruktion schwierig (und meist an Text- oder Bildquellen orientiert, z.B. aus der Maciejowski-Bibel).

Grundsätzlich scheinen zwei Haupttypen existiert zu haben:

a) Sehr vielschichtige (Leinen), als Hauptschutz für Fussvolk.

b) (Mehr oder weniger) Stark wattierte (Wolle/Wollfilz/gestopfte Stoffreste/Pferdeschweifhaare/...) entweder ebenfalls als Alleinschutz oder als Unterlage des Kettenhemds (nein, Kettenhemd ohne Gambeson ist nicht zu empfehlen - die in die Haut geprügelten Kettenringe sind nur mässig lustig und auch sonst wird der Schlag (allerdings nicht der Schnitt) fast 1:1 weitergegeben).

Bei Internet-Recherche stößt man häufig auf Kombinationen aus a) und b).

Mitunter wurden Stoffrüstungen auch als zusätzlicher Schutz über(!) dem Kettenpanzer getragen (so auch der Diechling, ein wattierter Oberschenkelschutz, der über den Kettenbeinlingen getragen wurde).

Schöne Beispiele gibt's z.B. hier: Mil. Realien auf www.historiavivens1300.at

Versch. Formen und eine Anleitung hier: Gambeson bei www.gewandungen.de --MartinBauer

Ein Gambeson den man unter eine Rüstung trägt sieht häufig mit Kragen viel besser aus - dann schaut er nämlich am Hals noch etwas heraus, so dass man auch sieht dass man einen trägt.

--UnbekannterAutor


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