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Ausrüstung/Gewandung/Tipps/Schultern

Schultern als Stilmittel

Schultern sind optisch eine der ersten Sachen, die bei einem Larp-Charakter auffallen. Als erstes nehmen wir das Gesicht eines Menschen wahr und dann alles drumherum, sprich das, was auf einem Portrait im klassischen Büstenschnitt abgebildet ist. Wie schon der dumme Hut wirken somit die Schultern auf eine ganz bestimmte Weise auf den Zuschauer.

Die Schultern verbreitern optisch die Person und geben ihr je nach Bedarf ein kantiges, elegantes oder würdevolles Aussehen.

Bei Kostümen, die sich eng an geschichtlichen Vorbildern orientieren, kann man durch SchulterPanzer an Rüstungen, durch "shoulder rolls" an Doublets, Pelzbesatz, Puffärmel und evtl. Epauletten diesen Effekt in moderater Form erreichen, während im Fantasy-Bereich übertriebene Schulterformen ihre volle Wirkung entfalten können.

siehe auch

Beispiele

BeispieleGesucht

Magier und Priester:
Magier und Priester können gut Stoffschultern (je nach Größe mit Moosgummi, Filz oder ähnlichen Materialien verstärkt) tragen, um einen imposanten Auftritt zu haben.

Avatar Schultern Drachenfest 08:
Wirklich extrem wirken Schultern und Krägen aus Schaumstoff. Das Problem, normalgroße Menschen so stark zu betonen, dass sie nicht übersehen oder überrannt werden, wurde auf dem DF08 mit diesen Schultern gelöst.

Warhammer:
Da Warhammer ein Tabletop Spiel ist, kommt es dort bei einer Figur vor allem auf die Optik an. Deshalb wurde ein Ensemble von Gimmicks geprägt, die die optische Wirkung normaler Menschen (bzw. menschengroßer Wesen) verstärken soll. Dazu zählen neben ausladenden Helmzieren, Frisuren und übergroßen Waffen auch große und/oder reich geschmückte Schultern. Alle diese Details würden in der Realität jeglichem reellen Nutzen entbehren und dienen lediglich dazu, ein menschengroßes Wesen optisch aufzuwerten, damit es mit anderen übermenschengroßen Elementen der Spielwelt, wie z.B. Kavallerie, Monstern, Dämonen, Cyborgs oder Panzern, mithalten kann. Da wir im Larp aus baulichen Gründen auch bei NSCs meist auf menschengroße Figuren beschränkt sind, lohnt es sich ein wenig, bei der Warhammer-Optik abzugucken.

In diesem Beispiel wurde eine übergroße Plattenschulter noch zusätzlich mit Reinheitssiegeln und Applikationen verschönert.

Die Schultern von Space Marines bei Warhammer40K erklären sich ja ebenfalls von selbst.

Anwendungsbeispiel: Tioteps Schultern

Bei einem NSC-Kostüm für den Congonien (dessen komplette Anfertigung von Maria unter GewandungFantasyUmsetzung beschrieben wird), wollten wir ebenfalls, um dem Condra-Manga-Kragen treu zu bleiben, Schultern anbringen. Das Problem daran war, dass das Kostüm sowohl sehr hochwertig (also kein Moosgummi und Stoff), als auch feuerresistent sein sollte (keine PE) und Akrobatik, wie z.B. Flugrollen und Radschlagen erlauben musste.

Übrig blieben dann noch Glas- oder Karbonfaser, Metall und Leder. Es gab verschiedene Ansätze: Vorhandene Metallschultern golden ansprühen und dekorieren, aus Metall neu schneiden oder aus Material wie Glas- oder Karbonfaser in Form bringen - letztendlich blieb es wegen Zeitdruck bei Leder. Die Form war lange ein Problem, das erste Probestück, das nach einem Pappentwurf geschnitten worden war, war von der Riemenanordnung unbrauchbar und auch die Farbe des Leders (rotbraun) wurde bemängelt, da rot oder gold von einigen Orgamitgliedern bevorzugt wurde. Daher wurde die zweite Version der Schultern mit Lederfarbe eingefärbt. Diese Farbe überstand zwar den Con, doch begann danach unter Einwirkung von Hitze aufzuplatzen und abzublättern. Alles in allem waren die Schultern der am wenigsten funktionierende Teil des Kostüms, da die Riemen nur unter den Schultern durchgeführt wurden (ein Riemen vorne, der sie stabilisiert hätte, wurde abgelehnt, um das "Brust-frei"-Aussehen des Charakters nicht zu ruinieren). Die Schultern rutschten daher auf dem Con so lange, bis die NSC Panzertape zur Verbindung der Rückenriemen zum Einsatz brachten. Doch zumindest die "Clip-Automatik" für den Mantel funktionierte und das Aussehen stimmte.

Auf den Schultern wollten wir Löwenköpfe als Applikation anbringen. Ich hatte schon seit Jahren einen gusseinsernen Türklopfer von 20cm Größe in Form eines Löwenkopfes mit Ring durchs Maul. Der Türklopfer selbst war natürlich viel zu schwer, so dass wir ihn aus anderem Material abformen wollten. Ideen standen im Raum, ihn aus Zinn zu gießen und dann auf existierende SchulterPanzer zu löten. Leider reichte die Zeit nicht mehr zur Realisierung einer solch komplizierten Gußform aus, so dass wir lediglich eine einfache Form erstellten und mit Latex gossen. Es gab zwei Möglichkeiten, den Löwen anzubringen, oben auf den Schultern oder als Schwebscheiben vor der Brust. Da sich der Kopf nachher als zu groß erwies und die Anbringung auf den Oberarmen die Bewegung zu stark beeinträchtigt hätte, entschieden wir uns für die Schwebscheiben. Da ich das aus Zeitgründen auch nicht mehr geschafft, aber alles nötige Material vorbereitet mit auf den Con genommen hatte, nietete der NSC auf der Veranstaltung die Löwenköpfe vorne an die Schultern.

Als Moral von der Geschichte kann ich festhalten, dass es bei Schultern vor allem auf die "Aufhängung" ankommt, also darum, wie die Schultern am Menschen befestigt werden. Am praktischsten ist es, Schultern, wie bei einer Plattenrüstung üblich, durch Riemen oder Nestelschnüre an einem Torso zu befestigen und sie dann nur noch mit einem Riemen unter dem Oberarm hindurch vom Rumhüpfen abzuhalten. Die zweitbeste Lösung wäre sie an einem Plattenkragen zu befestigen, wobei dann allerdings schon das Problem aufkommt, dass der Kragen rutschen und ggf. ins Gesicht/unters Kinn schlagen kann. Das gleiche Problem bekommen wir, wenn wir Schultern und Kragen aus einem Stück fertigen (wie z.B. die Avatarschultern im Beispiel vom DF08). Bei den Tioptep Schultern aus dem Anwendungsbeispiel habe ich die Schultern aus einem Stück gefertigt und noch zusätzlich die Brust freigelassen. Da wir noch einen Mantel an die Schultern drangehängt haben, sind die Schultern wie oben erwähnt immer weiter nach hinten gerutscht, bis die Schwebscheiben oben auf den Schultern lagen.

Schultern aus Stoff, Schaumstoff oder Moosgummi sind so leicht, dass sie auch an Kleidung befestigt werden können und auch das Problem des Hochrutschens ist nicht so schlimm, dafür sieht das Material halt nicht wirklich brachial aus, sondern eher nach "Computerspiel".

TobiasCronert