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Selbermachen/Kordelstickerei

Kordelstickerei? Was ist das?

Kordelstickerei unterscheidet sich von klassischer Stickerei (also die mit Plattstich, Vorstich, Kettenstich, Federstich etc.) dadurch, dass das Material, das die Muster bildet, nicht den Stoff durchsticht, sondern auf den Stoff gelegt wird und dann darauf mit einem dünneren, möglichst unsichtbaren Faden festgenäht wird. Kordelstickerei gehört somit zu den "Anlegetechniken" (siehe die Flinkhandseite: http://flinkhand.de/index.php?aid=201)

MantelKordelstickerei.jpg

Im Englischen heißt die Technik couched cording und war besonders im 16. und 17. Jhd. beliebt. Einige schöne Beispiele von Originalen finden sich z.B. in Janet Arnolds „Patterns of Fashion: The Cut and Construction of Clothes for Men and Women c1560-1620”.

Was kann ich damit machen?

Diese Methode, Kleidung zu verzieren, eignet sich besonders gut für großflächige Muster, die aus Umrissen bestehen, für Ranken, Flammenlinien, geometrische Muster...

FeuermagierKordelstickerei.jpg

Aber auch simple Zierlinien aus Kordel oder Borte müssen nicht langweilig sein, wie dieser Artikel über Doublets beweist: http://www.extremecostuming.com/articles/adozendoubletdesigns.html

Mit etwas Geduld lassen sich auch aufwändige Bordüren sticken: http://www.extremecostuming.com/images/427__G3T2281.jpg

Oder sogar historische Muster kopieren: http://www.jtdiii.com/Projects/Journeyman/journeyman.html http://lynnmcmasters.com/photo04.html

Was kann ich damit nicht?

Nadelmalerei und ähnlich flächige Stickereiarbeiten mit vielen Details sind damit nicht möglich, da Kordeln doch meist dicker sind als die Fäden, die bei anderen Anlegetechniken verwendet werden. Natürlich lässt sich Kordelstickerei gut damit verbinden (Stiel aus geflochtener Kordel, Blüten und Blätter in Plattstich) http://www.naergilien.info/research/london1/VandA/Elizabethan/P3300...

Womit sticke ich?

Als Material kann alles verwendet werden, was sich gut legen lässt, wie Soutache, Posamentenborte und natürlich Kordeln. Da diese selbst hergestellt werden können, aus Resten von Garn z.B. ist diese Art der Stickerei auch noch sehr billig. Die Kordeln können genestelt, geflochten, gehäkelt, gedüntelt oder eben selbst gedreht werden. Ich selber verwende die Reste, die bei meiner Oma anfallen, Baumwollgarn und Schurwollknäuel und suche mir immer jemanden, der/die mir beim Drehen hilft.

Bebilderte Anleitung, wie man Kordeln dreht: http://www.basteln-gestalten.de/kordel-drehen

Word-Dokument mit vielen Möglichkeiten, Kordeln herzustellen: schulkultur.files.wordpress.com/2008/10/bander-arbeitskarten.doc

Hier eine grobe Stickerei aus roter Posamentenborte auf einer Leinentunika: DusterKordelstickerei.jpg

Wie sticke ich?

Da selbstgemachte Kordel im Gegensatz zu gekaufter Schnur meist „weich“ ist, lässt sie sich auch dann gut (bis auf ganz enge Rundungen) mit der Maschine festnähen, wenn man keinen Kordelfuß hat. Mit der Hand wählt man einen engen Steppstich, der durch den Kern der Kordel geht oder übernäht die Kordel, den Windungen folgend. Beim Annähen per Hand sollte man auf jeden Fall darauf achten, nicht nur Hilfslinien anzuzeichnen, sondern die Kordel vorher auch zu fixieren, durch einzelne Stiche, Nadeln oder sogar Kleber.

Zunächst zeichnet man das Muster auf den Stoff auf, freihändig oder nach Schablone. Wenn der Stoff zu dünn oder elastisch ist, muss er mit Vlieseline oder Zwischenfutter verstärkt werden.

VorzeichnenKordelstickerei.jpg

Dann misst man aus, wieviel Schnur man braucht.

AbmessenKordelstickerei.jpg

Beim Festnähen muss man aufpassen, dass die Nadel immer die Mitte der Kordel trifft. Ob man den Stofftransport der Nähmaschine ausschaltet, ist eine Glaubensfrage. Ich lasse ihn an und drehe den Stoff immer dann, wenn die Nadel gerade oben ist. Dass man den Stoff häufiger umsetzen muss, um die Nährichtung zu wechseln, ist bei Rundungen wie diesen Flammenlinien normal…

AnnaehenKordelstickerei.jpg

Wie verhindere ich, dass die Enden der Kordel ausfransen?

1) Die Länge so planen, dass man (gilt nur für selbstgedrehte Kordeln) immer das nichtfransende, eingedrehte Ende sichtbar auf dem Stoff hat.

DetailKurzmantelKordelstickerei.jpg

2) Die Länge so planen, dass alle Enden in Nähten verschwinden

NaehteKordelstickerei.jpg

2) Cheating: Die Enden durch Perlen/Applikationen verstecken

DetailKleidKordelstickerei.jpg (alle grünen Kordeln sind per Hand angenäht, daher auch dermaßen schief :-b )

3) Macht Arbeit, ist aber sehr sauber: Die Kordel oder alle Fasern einzeln, die sich aufspleißen, mit einer Nadel durch den Stoff nach Links führen und dort vernähen oder verknoten

4) Bei breiten Borten oder Kordeln die Enden unterschlagen (wie bei dem grünen Kleid oben).

5) Die Fadenenden in irgendwas tränken, das sie zusammenhält wie Kleber, Wachs etc. - Problem: Sieht man meist.

6) Sich nicht draus machen, möglichst nah am Ende die Kordel mit vielen Überwendlingsstichen sehr gut festnähen und das minimale Fransen dahinter ignorieren (oder es als Stilmerkmal ähnlich wie Quasten einsetzen).

Persönliche Tipps

Interessanter werden die Muster, wenn sie aus Kordeln verschiedener Stärke gebildet werden, wie bei diesem Gürtel.

ElfenobiKordelstickerei.jpg

Man kann auch unterschiedliches Material verwenden und mit der "Plastizität" der dicken Schnüre experimentieren, da die Muster erhabener sind als normale Stickerei.

Viel Spaß! Maria


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