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Meinung/spielphilosophie/LarpKlischees

Klischees im LARP

Zahlreich sind die Debatten darüber, wie stereotyp man die Charaktertypen, Rassen und Klassen im LARP darstellen sollte.

Der große Knackpunkt beim Larp ist ja der, dass der Großteil der Interaktion über die Darstellung verläuft. Das ist eben der Unterschied zum Pen&Paper: Da weiß jeder, dass du einen Elf spielst, denn es steht auf deinem Charakterbogen, und deine Mitspieler sind alle darüber aufgeklärt und agieren auf dieser Basis mit deinem Charakter. Es heißt also im Tischrollenspiel immer "Legoland der Elf tut das und das", weswegen Legoland immer ein Elf bleibt und als Elf behandelt wird, egal wie unelfisch er sich verhält.

Im Larp wissen deine Mitspieler aber nicht, was auf deinem Charakterbogen steht, und müssen deswegen ihre Rückschlüsse rein auf Grund dessen treffen, was sie sehen. Dann steht da eben der Spieler mit seiner Gewandung und seinem körperlichen Erscheinungsbild da, und wenn das, als was er von seinen Mitspielern erkannt wird, und das, was auf seinem Charakterbogen steht, nicht zusammenpassen, dann kommt es zu Missverständnissen und Frustration.

Leider wird diese Debatte oft schnell dahingehend interpretiert, dass man bestimmte Spieler für "unzulänglich" oder "minderwertig" hält, und ihnen deshalb nicht erlaubt, "mitzuspielen". Das ist aber nicht so, es ist nur einfach wichtig, dass Konzept und Darstellung nicht zu weit auseinanderklaffen. So löst es zum Beispiel oft Protest aus, wenn jemand sagt "keine dicken Elfen!", weil manche das als Diskriminierung von Personen sehen, die nicht den Idealmaßen entsprechen. Jetzt könnte man aber genausogut sagen: "Keine schlanken Oger!", und Orlando Bloom würde sich in der Rolle eines Zwergs genauso lächerlich machen wie Danny DeVito als Elf.

Ebenso wird das Ganze schnell als generelle Abneigung gegenüber Charakteren gesehen, die nicht den gängigen Klischees entsprechen. Das ist aber durchaus nicht zwangsläufig so. Nur ist die Darstellung eines solchen Charakters ungleich schwieriger, denn man muss, um den oben erwähnten Abgleich zwischen Konzept und Darstellung zu schaffen, doppelten Ansprüchen genügen!

Nehmen wir mal einen großen Zwerg: Jetzt ist das herausstechendste Merkmal eines Zwergen naturgegeben seine Größe. Der typische Fantasyzwerg hat aber auch noch viele sekundäre Merkmale, die sich in Aussehen, Ausrüstung und Verhalten äußern. Möchte man jetz etwas Atypisches wie einen großen Zwerg darstellen, muss man es hinbekommen, dass sämtliche anderen Merkmale des Charakters so eindeutig "Zwerg" sagen, dass ein Spieler trotz der widersprüchlichen Tatsache, dass die Gestalt vor einem 1,80 m groß ist, sofort eindeutig erkennt, dass es sich um einen Zwerg handeln muss.

Egal, ob man Klischees nun gut findet oder nicht, muß man feststellen, dass sie ganz pragmatisch gesehen nun mal funktionieren. Man hat es bei der Darstellung leichter, wenn man ein Klischee bedient, als wenn man es durchbricht. Ein Charakter, der dem Klischee des Charaktertypus nicht entspricht, wird einen sehr viel sorgfältiger ausgearbeiteten Hintergrund brauchen und diesen sehr viel konsequenter spielen müssen als jemand, der das Klischee bedient.

Wer schlank und feingliedrig ist, der kann sich spitze Ohren ankleben und als Hintergrund "Ich bin vom Baum gefallen, jetzt bin ich hier" nehmen, und jeder wird sagen "Das ist ein Elf". Wer über zwei Meter groß ist, wird den versammelten Zwergen schon eine feurige Moralpredigt auf Khuzdul halten müssen, damit sie ihn als Carrot Ironfoundersson akzeptieren.

ChristianSpalthoff, RalfHüls

Interessant dabei: Mit einem Thread im LarpInfoForum wurde mal versucht zu eruieren was die Spieler denn unter solch klischeehaftem Verhalten denn konkret vorstellen. Seltsamerweise wurden dann in der weiteren Diskussion immer jeweils die eigenen Charaktere beschrieben, anstatt das was man von anderen optimalerweise erwartet. --NameEntfernt


Siehe auch KlischeeImLarp, Fantasie statt Darstellung oder ErkennbareGewandung