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Meinung: Tipps zum Kampf aus Orgasicht

Meine These: Der Kampf im LARP wird von Orgaseite oft zu stiefmütterlich behandelt, zumindest relativ zu seiner Wichtigkeit für viele Teilnehmer gesehen. Viele Cons wirken, als habe man nach Fertigstellung von Plot und Orgaplanung noch kurz festgelegt, wer von den anwesenden IT-Parteien "noch ein paar Angriffe" machen kann. Betrachtet man aber schon bei der Planung den Kampf mit etwas anderen Augen, können die kämpferischen Auseinandersetzungen überzeugender, ergreifender und generell in den Con passender werden. Es folgen einige Dinge, auf die man achten sollte:

Erfolgserlebnisse

Kurz gesagt: Wenn Du den Spielern zwei, drei Wellen einfacher relativ einfacher (und schön kämpfender/sterbender) NSC schenkst, haben sie ein Erfolgserlebnis UND kriegen gleich noch ein positives Gefühl den NSC gegenüber, was die weiteren Kämpfe entspannter und vielleicht auch schöner macht.

Bedenkt bitte auch, dass es andersrum genau so funktioniert, denn Menschen sind Tiere, die nach ganz simplen Pawlowschen Reflexen funktionieren. Wenn Ihr den Spielern zeigt, das sie beim Ausspielen von Schwächen sofort die berühmten "konsequenten" Reaktionen zu erwarten haben, werden sie keine Schwächen mehr ausspielen. Warum auch? Wäre ja schön doof. Das gleiche gilt für das berühmte "Verschanzen" der SC in Haus oder Burg: das ist nicht nur für mich eine Folge der vielen, ultraharten und "konsequenten" Orgas, die Verwundetenspiel mit Charaktertod bestrafen und die Nichtumfaller mit Action belohnen.

Theatralik

Gilt eigentlich das gleiche: Die NSC können über eine Vorbildfunktion theatralischen Sterbens den SC ein bisschen den moralischen Ball zuspielen. Die Hardcore-Gewinner lassen sich davon nicht beeindrucken, die Mehrheit aber merkt, das es nicht ums Gewinnen geht, und spielt schöner.

Aber nicht nur Sterben kann man theatralisch, auch Überleben kann sehr stimmungsfördernd sein. NSC, die angesichts sterbender Kameraden auch mal entsetzt und schreiend fliehen oder flehentlich auf ihre Familie zuhause verweisen, bilden eine nette Abwechslung zu den üblichen Todesschwadronen. Wenn SC dann Gnade gewähren, darf sich das übrigens gerne IT unter den NSC rumsprechen und bei zukünftigen Auseinandersetzungen entsprechend belohnt werden – genau wie das Gegenteil…

Ein weiterer positiver Effekt: Wenn die „normalen Soldaten“ auch mal fliehen oder sich ergeben, wirkt die ergebene Leibgarde des Finsterlings auch mal wirklich fanatisch, wenn sie das eben nicht tut.

Das ganze gilt, wie auch die folgenden Tipps, natürlich nur für vernunftbegabte Wesen. Niemand erwartet Sozialverhalten von einem Haufen modernder Zombies. Allerdings kann es durchaus helfen, auch denen einen Hintergrund und entsprechende Ausrüstung zu verschaffen: Wenn die Untoten IT etwa von einem nahen alten Schlachtfeld kommen, wirken z.B. ein paar zerfetzte und verdreckte Wappenröcke aus alter Zeit, aus Stoffresten genäht, manchmal Wunder für die Stimmigkeit.

Variation/Spezialisierung

Ich mag spezialisierte Wellen von NSC, sprich: Mal gehen die NSC komplett ohne Schilde, aber mit Langwaffen los. Mal ist ein Schützentrupp dabei, der von Schildträgern abgeschirmt wird. Mal teilt man die NSC auf und greift aus zwei Richtungen an. Ein oder zwei Kampfmagier (die dann aber auch ruhig „Persönlichkeiten“ sein sollten, nicht Schlachtvieh – möglicherweise sind sie bei manchen Szenarien selbst dann übertrieben) mit Leibwachen sind auch als Abwechslung nett. Es sorgt für Abwechslung bei den Spielern, senkt das Gefühl, immer denselben gegenüber zu stehen und erfordert neue „Taktiken“ von den SC (wenn sie sich beispielsweise hinter Schilden verstecken, schießt man sie aus zwei Winkeln zusammen oder so was). Die Reihenfolge ist dabei beliebig: ein ansteigender "Schwierigkeitsgrad" kann Sinn machen, ebenso sehr kann aber auch Sinn machen, stark einzusteigen und dann erst mal etwas vom Gas zu gehen.

Variieren kann man auch über Schauplätze, indem man Anreize schafft, nicht in der Location selbst zu hocken: Ein Beispiel ist da immer ein Ort, der aus irgendeinem Grund verteidigt werden muß: nicht weit weg, aber auch eben nicht das Burgtor selbst.

Nachvollziehbarkeit/“Berechenbarkeit“

Ich mag es, wenn die NSC nicht immer aus dem Nichts auftauchen, sondern mit IT-Vorwarnung agieren: Der gefangen genommene Späher kennt die Zahl des nächsten Trupps, oder seine Angriffsrichtung. Eigene Späher melden Truppenbewegungen zuverlässig („Ein Gegnertrupp ist unten im Tal, angreifbar auf Rast. Weitere Gegner sind nicht in der Nähe, Ihr könntet also ausrücken.“). Ein weiterer Trick (den ich allerdings von einer anderen Orga geklaut habe): Die IT angekündigte Endschlacht, oder auch andere große Angriffstruppen. Großartig! Alle können großartige Anrüst-Szenen machen und sich richtig auf das Finale eingrooven. ;-) Das ist natürlich eher was für Feldzüge/Schlachtencons, lässt sich aber im Kleinen auch auf anderen Cons abziehen. Es mindert den Eindruck, das die Welt nur ein Wald voller NSC-Respawnpunkte ist.

Bei dieser Gelegenheit kann man gleich einbauen, warum die NSC immer in Wellen kommen (beispielsweise, indem man versprengte Einheiten hat, die nur nach und nach ankommen, oder so was), wenn man möchte, oder eigene Truppen als Verstärkung zwischendurch, wenn die SC-Schar keine Angriffe mehr verträgt. So langweilen sich auch die NSC nicht, falls man gerade keine andere Einsatzmöglichkeit für sie findet – zumal die „Bauern aus dem nächsten Dorf“ IMHO ausgelutscht sind und in manches kriegführende Szenario auch einfach nicht passen.

Charaktere

Zwei Aspekte fallen mir ein: Zum einen ist es nett, wenn sich die Schlacht-NSC Gedanken machen, was passiert, wenn sie überleben oder gefangen genommen werden. Ein winselnd sich ergebender Verwundeter ist schöner als ein Kamikazekrieger. Ein schreiender Sterbender, der seine Gedärme festhält, schafft mehr Stimmung als ein Die-hard-Held, der vom Boden aus weiter prügelt. Macht Menschen aus ihnen, nicht nur Schlachtvieh.

Hilfreich kann es dabei sein, wenn selbst Wellen-NSCs versuchen, ihren Charakter Namen und eine rudimentäre Geschichte mit entsprechendem Hintergrundwissen zu geben (wenn möglich), um ein Gefühl für die Rolle zu bekommen, oder sich auch mal gefangen nehmen zu lassen. Man muß ja nicht für jeden Schergen des Bösen einzeln die Klassenkameraden erfinden, aber wenn man was im Hinterkopf hat, ist man zumindest vorbereitet, wenn man mal gefangen genommen wird.

Und der zweite Aspekt: Man kann einzelnen NSC auch IT-Verantwortung übertragen: Als solche erkennbare IT-Offiziere, Zugführer oder Anführer von kleineren Gruppen machen das ganze stimmiger (und, wie wir letztens gelernt haben, die ganze NSC-Schar auch gefährlicher, weil das ein Grad an Organisation ist, den Spieler selten erreichen). Hört ruhig auf Ratschläge von NSC mit größerem Verständnis für Taktik oder Dramaturgie, als Ihr es habt – die Größe sollte man haben, das zu können.

Gimmicks/Besonderheiten

„Persönlichkeiten“, nicht unbedingt plotwichtig, aber herausragend und bekannt, auch auf Gegnerseite. Rechte Hände des Oberbösen, die Nazghul des hiesigen Magiers... die kann man auch mal als Erfolgserlebnis (siehe oben) an die Spieler verfeuern. Eine weitere Möglichkeit für solche Charaktere ist, sie im Falle ihres Überlebens weiter zu verwenden: Wenn höherrangige NSC Privatfehden mit Spielern starten, bindet man die SC stärker an die Kampagne, schafft Wiedererkennungswert und Motivation zur Rückkehr. Die Tür steht dann auch offen für spätere „Feind meines Feindes“-Szenarien oder gar langfristiges Überlaufen… es könnte unter Umständen irgendwann sogar zu Rollenspiel kommen!

Ein weiteres Beispiel: Wir hatten mal mechanistische „Dampfroboter“. Die hatten eine beleuchtete Feuerung auf dem Rücken, wie ein richtiger Ofen gestaltet. Traf man die mit drei Zaubern gleichzeitig (egal welche), schalteten sie sich für eine Minute ab. In der Zeit konnte man ihre Feuerung löschen und sie damit besiegen. Im reinen Draufhauen war das quasi nicht zu lösen: So brauchte es etwas Koordination und „Aufpassen“ der SC. Mit so was kann man Kämpfe sehr schön auflockern und „fordernder“ machen, ohne dass es eine Materialschlacht wird.

An Spieleraktionen anpassen

Kurz gesagt: Wenn die wichtigen Leute gerade die Plotlösung beraten und ein Angriff sie um Stunden zurückwerfen würde, nicht angreifen. Wenn der Rest aber gelangweilt herumsteht, vielleicht mehrere kleine Angriffe statt eines großen. Und wenn sich alle langweilen, kann ein Angriff auch wenigstens etwas Zeit schinden, bis man den Plot anderweitig wieder im Griff hat. So oder so sollte eine Kampf-SL nie ohne Abstimmung mit den anderen/der Haupt-SL angreifen (lassen).

Wichtig auch: Gebt den SC Zeit, ihre Verwundungen auszuspielen. Wer drei Mal in Folge das vollbesetzte Lazarett rockt, erzieht seine Spieler nur zur Schnellheilung und zu nix anderem.

Geduld

Manchmal sind NSC (oder gar Ihr selbst?) frustriert, weil Spieler "gar nicht umfallen". Erklärt Ihnen dann ruhig den Punkt mit den Erfolgserlebnissen und das sie sich, wenn man ihnen ihre Viertelstunde Ruhm gönnt, danach umso bereitwilliger hinlegen. Macht ihnen (und Euch) auch klar, das die SC vielleicht einzelne Kämpfe nahezu unbeschadet überstehen, auf Dauer aber in der schlechteren Position sind. Ich habe einen Con erlebt, auf dem 13 Untoten-NSC fast 50 SC fertiggemacht haben, in dem sie einfach immer wiederkamen. Wieder. Und wieder. Und wieder. Nach vier Stunden haben wir SC uns treffen lassen, nur damit wir endlich Rüstungsteile ablegen durften. Habt Geduld - NSC never die, they just go to Fundus to regroup.

Der NSC: Aufzucht und Pflege

Bei vielen SL ist sie immer wieder beliebt: Die Aufforderung an die SC, die NSC als Menschen zu sehen. Diese Aufforderung auch an sich selbst zu richten, sollte man da nicht vergessen: Ausreichend Wasser nicht nur für die kampferhitzten NSC in Monsterkostümen ist ja schon weit verbreitet – über stärkende Snacks, Belohnungsschokolade oder vielleicht sogar einen großen heißen Topf Suppe, der im NSC-Bereich stets bereit steht, freut sich der NSC aber bestimmt noch mehr (und die SL bestimmt auch). Seht Eure NSC (auch und gerade Eure Schlacht-NSC!) nicht als Teilnehmer zweiter Klasse, sondern eher wie Umzugshelfer, die man schon aus reinem Respekt und aus Höflichkeit mit stärkendem Zeug versorgt. Der Kuchen ist keine Lüge!

Information

Schlägt in dieselbe Kerbe, und das sowohl im Vorfeld des Cons als auch auf dem Con selbst.

Macht den NSC im Vorfeld mundgerechte Infos fertig. Speist sie nicht mit "Steht alles auf der Homepage!" ab, sondern schreibt ihnen was eigenes, auf die Veranstaltung angepaßtes. Bitte faßt Euch kurz: Wenn das, was Ihr da geschrieben habt, zu brilliant und lesenswert ist, um es zu kürzen, macht keinen Con, sondern sucht Euch einen Verlag. Auch über eine Plotzusammenfassung freut man sich, wenn man kurzfristig oder mit Zeitnot im Vorfeld zur NSC-Schar stößt – es hilft zudem, ein oder zwei gedruckte Versionen davon auch im NSC-Bereich ausliegen zu haben. Gebt heimischen NSC, die sich eh im Hintergrund auskennen, ruhig die Chance, das auch nutzbringend einzusetzen.

Auf dem Con selbst ist meine Erfahrung, das sich NSC über kleine Fortschrittsberichte freuen. Teilt ihnen zwischendurch mit, wo die SC gerade so stehen, wie ihr Zustand und ihre Moralist und wie sie sich im Plot anstellen. Erstens können die NSC dann besser reagieren, wenn Überraschungen passieren, zweitens fühlen sie sich mehr als Teil des Cons und nicht als pure Latexpömpeltruppe für die SC, und drittens können sie so viel besser eigene Ideen einbringen (und glaubt mir: Ihr wollt eigene Ideen der NSC. Ehrlich!).

Wenn Ihr wollt, dass die SC die NSC nicht als reines Schlachtvieh behandeln, solltet auch Ihr den NSC diesen Respekt entgegenbringen.


Erstellt 2010-10-21 von HeinzKreienbaum, mit massiver Unterstützung aus den Kommentaren im Larper.ning.
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