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Meinung/Charakterdarstellung/InTimeAusbildung

Larpmeinung: Muß man Fertigkeiten InTime lernen?

Bei vielen LARPern, vor allem bei jenen, die aufstiegsorientierte Regeln bevorzugen, ist es ein ungeschriebenes Gesetz, daß der Charakter alle durch Regelmechanismen regulierten Fertigkeiten auch im Spiel erlernt, vielleicht mit Ausnahme der Fertigkeiten, die er bei der Charaktererschaffung erhält. Neu erlernte Fertigkeiten einfach zwischen den Spielen in den Charakterbogen zu schreiben, gilt als unseriös.

Ich selber habe, ehrlich gesagt, selten Spaß daran, Ausbildung zu spielen, weder in der Rolle des Lehrers noch in der des Schülers.

Das mag zum Teil daran liegen, daß ich bevorzugt nach Regeln spiele, bei denen allmähliche Charakterentwicklung nicht zum Regelparadigma gehört oder aber auch daran, daß ich viele Rollen spiele, deren Fertigkeiten nicht sinnvoll InTime vermittelt werden können.

Erst auf dem letzten Con sollte ich jemandem Schreiben beibringen, dachte mir aber, daß der sicher keine Lust dazu hat, den Rest des Contages damit zu verbringen, seitenweise e-Schlaufen in ein Heft zu malen oder was man so macht, um die Handschrift zu trainieren. Zumal ich mit einiger Gewißheit vermute, daß der Spieler die Fertigkeit OT beherrscht ;-)

Sicherlich bietet eine Ausbildung jede Menge Gelegenheit zur Interaktion. aber irgendwie habe ich wenig Interesse an Charakterentwicklung im Sinne des Fertigkeitenerwerbs und finde es etwas dämlich, wenn jemand so tut, als würde er jemandem eine Tätigkeit beibringen, bei der er selber ohnehin nur so tut, als würde er sie beherrschen.

Gerade auch für Leute, die nur gelegentlich spielen, wird es nicht immer reizvoll sein, die seltenen Cons dann auch noch damit zu verbringen, den gewünschen Charakterfertigkeiten hinterherzulaufen.

Vielleicht kann ein Zwang zum IT-Lernen sinnvoll sein, wenn er als Teil des Regelwerks zur Steuerung der Macht eines Charakters dient (war das bei den Dilettanten so?), aber als allgemeingültiges Maß der Qualität von Rollenspiel finde ich ihn überbewertet.

--RalfHüls, 18.01.2005


Weitere Meinungen

PatrickC: Meine Meinung dazu ist, dass mein Charakter (Beispielsweise ein Heiler) sicherlich NICHT die Zeit auf dem (Lager neben dem) Schlachtfeld damit zubringt, lesen zu lernen, wenn um ihn herum die Leute am Dahinsiechen sind. Ich denke, das wäre sicherlich keine GuteIdee™ und entbehrt jeglicher IT Logik. Da mein Charakter sich aber nicht nur auf Cons herumtreibt, sondern auch auf Wanderschaft ist (z.B. auf der Wanderung zur nächsten Con), oder auch mal wieder seine Eltern besucht (die leben nämlich noch und wurden nicht von Orks erschlagen), wird er sich in der Zwischenzeit damit beschäftigen, neue Dinge zu lernen. Mein Knappe zum Beispiel wurde nicht IT auf einer Con zum Ritter geschlagen. Nein. Der hat ein Jahr pausiert, während er in seine Heimat gereist ist und dort von seinem König (wie sich das gehört) zum Ritter geschlagen wurde.

AndrejPfeifferPerkuhn: Wie stellt man Intime das Erlernen von Kämpferschutzpunkten, Seelenschutz oder (mein Liebling) diversen Immunitäten dar?

  • PatrickC: naja, es gibt Denkansätze, die ich persönlich ganz nett finde, die jedoch nur in Einzelfällen Sinn machen und mit in den Plot eingebunden werden müssen. Denkbar wäre da z.B. ein einschneidendes Erlebnis im Leben eines Charakters, das seine Einstellung zu bestimmten Arten der Zauberei ändert, so dass er fortan eine "gefestigte Willenskraft" besitzt und sich nicht mehr unterkriegen lässt. Da diese Methode allerdings nicht massentauglich ist, kann ich dir keine wirklich gute Antwort geben. Kämpferschutzpunkte könnte man sich antrainieren (je nach Regelsystem) durch ganz einfache Kampfübungen (im Sinne von Kämpferschutz symbolisiert das Ausweichen). Da Kämpferschutz aber sowieso etwas ist, das in jeden Regelwerk anders und in einem seltsamer als im anderen, erklärt wird, kann auch diese Frage schwer beantwortet werden, meiner bescheidenen Meinung nach.

MelaEckenfels: Meine Meinung: Das hängt ganz von den Umständen ab. Den Zwang zum InTime-Erlernen finde ich nicht gut. Er führt meines Erachtens lediglich zu schlechtem Rollenspiel. Spieler X will Fähigkeit Y haben und hat auch die Punkte dazu, aber die Zeit auf dem Con ist eben knapp. Also wird das eher ein "Bring mir mal schnell bei" als wirklich schönes Ambiente. Wenn man jedoch ohnehin einen bücherwürmigen Charakter spielt und auch noch andere Spieler findet, die gerne reden oder einfach gerne den Meister geben, dann können daraus sehr schöne Momente im Spiel entstehen, von denen zwar nur die betroffenen Spieler etwas haben ... aber wen störts? Ich habe selbst mehrfach schon 'Unterricht' bei anderen Charakteren genommen und möchte keine einzige dieser Gelegenheiten missen, zumal sie wirklich rein InTime durchgeführt wurden. Zudem: Wenn ein Spieler sich unsicher ist, wie man eine Fähigkeit schön ausspielt, warum sollte er Vorschläge dazu nicht InTime vermittelt bekommen, statt OutTime?

Moe: Schließe mich meinem Vorredner an. Jemand, der seine Idee vom LARP im IT-Erlernen verwirklicht sieht, wird das auch tun. Jemand, der sich OT für seine Punkte einen Skill kauft, eben nicht. Einzig und allein entscheidend im Grenzfall hierbei wird sein, wie gut zugänglich und bespielt die Ausbilder und die Ausbildungsmöglichkeiten sind. Würde ich nun gerne IT meinen Meistertitel in Alchemie machen, kenne jedoch OT keinen solchen, kann unter Umständen der Frust und die mangelnde Zeit dazu führen, auf die OT Ausbildung auszuweichen. Gerade bei Leuten, die nur selten auf Lives fahren und nur einen Charakter bespielen, ist in meinen Augen die entscheidende Komponente die Zugänglichkeit der Ausbildung, weniger die persönliche Veranlagung :)

MichaelBloch: Ich stimme meinen Vorrednern zu bei Fähigkeiten, die von jedem Spieler auch OT beherrscht werden wie lesen und schreiben. Aber gerade bei Fähigkeiten, die gut dargestellt werden müssen, damit sie wirken kann, eine IT-Ausbildung nicht schaden. Beispiel Spurenlesen: Ich schnappe mir dann denjenigen, der Spurenlesen lernen möchte und gehe mit ihm auf Pirsch für 1-2 Stunden. Bei irgendeiner Spur im Wald gehe ich in die Hocke und erzähle ihm etwas über die Spur (das kann auch mal aus den Fingern gesogen sein, muß halt nur überzeugend klingen). "Schau mal hier, der Abdruck ist auf der einen Seite etwas weiter eingedrückt, daraus können wir schließen, dass ... etc." Damit liefere ich dem Spieler wiederum Buzzwords, die er dann bei seinem Spiel einbauen kann, um seinerseits wieder einen überzeugenden Spurenleser darzustellen. Sozusagen eine IT-Ausbildung auf OT-Ebene.

OliverRichter: Ich bin generell der Meinung, dass ein Ausspielen von Ausbildungssituationen Spass machen kann, aber nicht verlangt und schon garnicht von Regelwerken vorgeschrieben werden kann. Grundargument dafür ist schlicht, dass ich einem Charakter ein Leben außerhalb der Cons zugestehe, das er/sie ja zum Erlenen neuer Fähigkeiten verwenden könnte. Nach meiner Erfahrung ist die IT Weitergabe von Wissen aber eine Spielsituation, die sehr viel Spass bringt und für eine bestimmte Reihe von Charaktertypen viel zur Darstellung und Glaubwürdigkeit beiträgt - Ich denke dabei insbesondere an "wissenschaftliche" Charaktere wie Alchimisten, Heiler und Magier, also grundsätzlich die Arten von Charakteren, die normalerweise auch die Angewohnheit haben, Wissen zu sammeln. Durch die Vermittlung von Wissen, stellt man es ja auch zur Schau und profilliert sich damit bzw. sichert sich einen Platz in der "Wissenshirarchie". Zusammengefasst also eine klare Absage an Ausbildungszwang, aber durchaus positive Erfahrungen mit Ausbildungssituationen von bestimmten Charaterklassen.

(Hahn, 28.1.09) Bei den Dilettanten ist es tatsächlich in der Regel verankert, dass die Fähigkeiten im Spiel von sog. Lehrmeistern erlernt werden müssen. Die Dilettanten spielen erklärtermaßen eher LowPower, also basiert das ganze Spiel nicht primär auf der Anwendung von (mächtigen) Fertigkeiten. Mächtige Skills sind selten und sollen das auch sein. Man legt eher Wert auf schönes und konsequentes Spielen, als auf das effiziente Anhäufen von Fähigkeiten.

Das "Lehrmeisterprinzip" ist einer der wenigen Punkte des Dilli-Regelwerks, der nie in Frage gestellt wurde, es herrscht bei fast allen Beteiligten Konsens dass das Erlernen von Fähigkeiten gut für das Spiel im allgemeinen und auch für den Spieler ist. Als Nachteilig wird von manchen das langsame Aufsteigen von Charakteren empfunden, da man während einem ereignisreichen Spiel auch mal nicht dazu kommt, Prüfungen abzulegen. Fähigkeiten wie "Schreiben" oder "Feuerzeug" gibt es nicht, es geht vielmehr darum Spells, Erhöhung des Kampfschadens oder die Zubereitung von Tränken zu erlernen, was oft für schöne Szenen auf den Spielen sorgt. Im Nebeneffekt werden auch die regelrelevanten Bestandteile eines Skills abgeprüft, was auch wieder dem Spiel zu Gute kommt. Neulingen macht das meistens Spass.

Punkteloses Spiel ist eigentlich sehr nahe an der Philosophie der Dillis, aber die (NSC-freien) Dillispiele sind manchmal einfach zu kompetetiv um einem DKWDK-(Nicht)Regelwerk standzuhalten. Das hat die Erfahrung gelehrt.

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