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HistorischesTurnier

Historisches Turnier

Herausforderung

Turniere unterschieden sich in den Einzelheiten sehr stark voneinander. Im allgemeinen jedoch erging die Herausforderung von einem einzelnen, oder einer Gruppe, den sogenannten "Mantenadores" an alle "Aventuriers" sie zu einer bestimmten Kampfart an einem gegebenen Ort und zu gegebener Zeit zu treffen.

Die Herausforderung war oft sehr kunstvoll ausgearbeitet und beruhte auf einem komplizierten, fiktiven Geschehen. Die Artikel des Turniers und die Beschreibung der ausgewählten Kampfart und der Preise, wurden im ganzen Reich ausgerufen.

Ablauf

Am bezeichneten Ort wurden die Schranken aufgerichtet und Sand gestreut, eine Tribüne mit Sitzen für den oder die Schiedsrichter und den Hof wurde erbaut, mit Laub geschmückt und mit Teppichen behängt. Pavillons wurden errichtet, in denen sich die Turnierenden rüsten konnten.

An einem Ende der Bahn wurde ein hochragender Gegenstand aufgestellt und daran wurden verschiedenfarbige Schilde aufgehängt, deren jeder eine bestimmte Kampfart bezeichnete.

Am vorbestimmten Tag gaben die Turnierenden, die die Aufforderung angenommen hatten (die Aventuriers), durch Berührung der Schilde zu erkennen an welchem Kampf sie teilnehmen wollten. Die Herolde hielten dann ihre Namen und Waffen fest.

Die Mantenadores übernahmen es der Reihe nach mit einem der Aventuriers zusammenzutreffen. Während des Kampfes bliesen Trompeter, Trommeln wurden geschlagen und Schüsse abgefeuert.

Alle Kämpfe der gleichen Art konnten entweder am selben Tag oder während einer Woche stattfinden, oder sie konnten abwechselnd mit anderen in der Aufforderung genannten Kampfarten ausgefochten werden.

Kampfarten

Die wichtigsten Kampfarten waren Zweikämpfe zu Pferd mit stumpfen Lanzen im Stechzeug oder mit scharfen Lanzen im Feldharnisch. Ferner das "Turnier" (Scharmützel) bei dem zwei Gruppen von Reitern kämpften, weiter eine Vielzahl von Fußkämpfen in Form von Zweikämpfen, aber auch als Fußturnier (d.h. ebenfalls mit zwei Gruppen).

Das Turnier (zu Pferde) mit Schwertern und Kolben, oder seltener mit Streitäxten wurde stets mit Helm ausgetragen. Das letzte Kolbenturnier fand 1487 in Worms statt. Immer waren die Turnierteilnehmer von Knappen und Fußknechten begleitet, die ihnen beistanden, wenn sie vom Pferde fielen, und sie aus dem Gedränge schleppten.

Häufig war beim Zweikampf die Zahl der Hiebe begrenzt, und sie wurden von den Turnierenden abwechselnd geführt. In der Herausforderung steht manchmal vermerkt dass der Kampf fortzusetzen ist bis einer der beiden zu Boden geht.

Endkampf

Manchmal wurde am Ende eines Turniers ein besonderer Kampf ausgefochten, an dem sich alle die ihren Kampf schon abgeschlossen hatten nochmals beteiligten. Er fand gewöhnlich in Form eines Scharmützels zu Pferde statt, oder es wurde zu Fuß eine Schlossattrappe angegriffen und verteidigt.

Rüstung und Waffen

Die Wahl der Zusammenstellung des Harnisches scheint normalerweise den Turnierenden überlassen worden zu sein. Die gebräuchlichsten Waffen waren der Wurfspiess, die langschäftige Streitaxt, der Rabenschnabel, Schwert und Dolch. Man trug einen Schild, der jedoch meist dem Gegner entgegengeschleudert wurde bevor man zur Waffe griff. Ausserdem kommen Gleven, Streitkolben, Helmbarten, lange Messer, Sauspiesse und Faustschilde, Streithämmer, Wurfhämmer und sogar Dreschflegel als Turnierwaffen vor. In englischen Herausforderungen sind gelegentlich auch Wetttkämpfe im Bogenschiessen, Ringkämpfe und Stangenwaffen mit inbegriffen.

Schiedsrichter

Dem Schiedsrichter standen bei der Überwachung des Spiels Herolde und Pursuivanten zur Seite. Wurde nach seiner Meinung der Kampf zu Gefährlich, konnte er seinen Stab oder seinen Pfeil hinunterwerfen und den Wachen des Konnetabels oder Marschalls der Bahn befehlen die Turnierenden zu trennen.

Abschluss

Den Schluss bildete ein großes Festmahl mit vielen erlesenen Gängen und Zwischenspielen in den Pausen.

Dann wurden die Preise verliehen, die gewöhnlich aus Juwelen bestanden oder aus goldenen oder zumindest vergoldeten Waffen.


Quelle: Vesey Norman, Waffen & Rüstungen, 1964, Battenberg Verlag, München, 47ff

ASIN B0069S882Y


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