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GreatHighlandBagpipes

Great Highland Bagpipes (GHB)

Grundsätzliches

Great Highland Bagpipes sind laute schottische Sackpfeifen. Durch die britische Armee wurde dieses Instrument weltweit verbreitet. Oft werden die Begriffe Dudelsack und Great Highland Bagpipes synonym verwendet; dass es noch dutzende anderer Dudelsacktypen gibt ist vielen nicht bekannt.

GHB bestehen wie die meisten Sackpfeifen aus einem Luftsack, an den ein Einblasrohr mit Rückschlagventil angeschlossen ist, um die Pfeifen mit Luft zu versorgen. Dieser Pfeifen sind vier, nämlich die Spielpfeife (chanter), womit die Melodie gespielt wird und drei Bordunpfeifen (drones), die einen gleichbleibenden Begleitton erzeugen.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e8/Great_Highlands_Bagpipe.jpg

Der laute, strahlende und etwas scharfe Klang ist berüchtigt und allgemein bekannt. Er entsteht durch die konische Bohrung des Chanters und die auf Lautstärke ausgelegte Bauweise des Doppelrohrblattes. Der Chanter hat 8 Grifflöcher wie eine Blockflöte und wird mit einer „halbgeschlossenen“ Griffweise gespielt, die nicht mit der Griffweise der klassischen Blasinstrumente oder der Blockflöte übereinstimmt. Der Tonumfang beträgt eine None und wird als g1-a2 aufgeschrieben. Traditionell werden innerhalb dieses Tonumfangs nur die 9 Töne g1-a1-h1-c#2-d2-e2-f#2-g2-a2 verwendet (A mixolydisch). Damit kann man in Kombination mit den Bordunpfeifen, die ein andauerndes A erklingen lassen, lediglich zwei bis drei Tonarten spielen, nämlich eine durähnliche (mixolydische) Tonleiter auf dem Grundton A sowie D-Dur und manche Stücke in h-Moll (wobei der A-Bordun dabei als störend empfunden werden kann).

Allerdings kann man je nach Instrument mit besonderen Griffen noch einige Zwischentöne (chromatische Töne) erreichen. Es gibt auch besondere Spielpfeifen, die mit Rücksicht auf gute chromatische Spielbarkeit gebaut werden. Dadurch werden die Möglichkeiten des Instruments erweitert; es bleibt jedoch die Beschränkung auf die Grundtöne A und D, sofern man die klassische Bordunstimmung A beibehält.

Um es noch etwas komplizierter zu machen: Tatsächlich sind die meisten GHB, besonders in den Pipe Bands, nicht in A gestimmt, sondern etwas mehr als einen Halbton höher (näheres dazu im Kapitel verschiedene Bauweisen).

GHB werden meist Solo oder in Pipe Bands (Pipes and Drums) zusammen mit Schlagwerk (Side drums, Tenor drums, Bass drum) gespielt. Für beides gibt es ein riesiges eigenes Repertoire, das allerdings vorsichtig ausgedrückt nicht jedem Zuhörer leicht zugänglich erscheint. Abseits dieser vorgezeichneten Wege hat man natürlich die Möglichkeit, auf den GHB zu spielen, was immer auf den geringen Tonumfang passt.

Das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten ist wegen der Lautstärke schwierig; die klassischste Kombination ist GHB und Orgel. Ganz andere Möglichkeiten, die schottische Sackpfeife in akustische Folksessions oder Bands zu integrieren hat man mit den verschiedenen leisen Bauformen der schottischen Dudelsäcke, siehe im Kapitel „leise schottische Dudelsäcke").

verschiedene Bauweisen

  • Holz/Kunststoff: Außer dem üblichen Blackwood gibt es mittlerweile auch hochwertige Instrumente aus Kunststoff, die klanglich keine oder kaum Nachteile haben und robuster sind (z.B. gegen Temperaturwechsel und Regen)

  • Rohrblätter Holz/Kunststoff: Gleiches gilt für die Rohrblätter, auch hier gibt es gute aus Kunststoffen, die sich jedoch bisher nicht in der Breite durchsetzen konnten.

  • Stimmung: In Pipe Bands wird meistens eine hohe Grundstimmung benutzt, die zwischen den Tönen H und B liegt (a=470-480 Hz). Mit so gestimmten Spielpfeifen ist das Zusammenspiel mit fix gestimmten Instrumenten (Klavier, Akkordeon, Orgel, alle Blasinstrumente) nicht möglich. Deshalb braucht man für das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten eine GHB in „concert pitch“ (a=440 Hz) oder in Bb (a=466 Hz).

leise schottische Dudelsäcke

Für Folkmusik und das Zusammenspiel mit leiseren Instrumenten gibt es zwei verschiedene Arten von leiseren schottischen Sackpfeifen. Damit hat man nicht nur viel mehr Möglichkeiten im Zusammenspiel, sondern läuft auch weniger Gefahr Menschen auf den Geist zu gehen, was die Einsatzfähigkeit im Lager oder in der Taverne ermöglichen kann.

a) Border Pipes/Reel Pipes

Mittellaute Instrumente mit sehr ähnlicher Konstruktion und gleicher Stimmung wie die lauten Dudelsäcke. Oft wird ein Blasebalg unter dem linken Arm für die Luftzufuhr benutzt, damit keine Feuchtigkeit an die Rohrblätter gelangt.

b) Scottish Small Pipes

Diese sind vergleichbar einem HümmelChen und wirklich angenehm leise, fürs freie Feld eher schon zu leise. Die Pfeife ist zylindrisch gebohrt und dadurch wird der Ton viel zarter und automatisch tiefer. Es gibt davon verschiedene Stimmlagen; am weitesten verbreitet sind wohl die Stimmungen A (eine ganze Oktave tiefer als die GHB) und D (eine Quinte tiefer als die GHB). Auch hier ist die Verwendung des Blasebalgs üblich (siehe Bild unten)

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/56/Scottish_Smallpipes.JPG

Schwierigkeitsgrad; Warum GHB?

Die GHB hat in Schottland den Status eines klassischen Instruments, dessen Repertoire zwar mit der Folkmusik verknüpft ist, das aber sehr standardisiert gelehrt und gelernt wird. Solo- und Bandwettbewerbe sind Kernbestandteile der GHB-Szene. Auch außerhalb Großbrittanniens ist das Erlernen der GHB meist eng mit den Pipe Bands und der Wettbewerbsszene verknüpft. Wer mit einem Lehrer auf diese traditionelle Weise das Spielen der GHB lernt, wird schnell merken, dass hier einiges an Disziplin und Fingerartistik gefordert ist. Die Spieltechniken und Verzierungen sind in den klassischen Stücken genau notiert und es besteht nicht, wie bei anderen Dudelsacktypen, die Freiheit einfach drauflos zu spielen und Verzierungen so einzubauen wie man es kann und mag.

Natürlich kann man die GHB und insbesondere die leiseren Varianten auch nach eigenem Gusto und ohne Bindung an das klassische Repertoire spielen. Solches geschieht z.B. auch in der Bretagne, wo das Instrument sich im 20. Jahrhundert als Folk- und Bandinstrument (Stichwort: Bagad) etabliert hat und sehr vielseitig und unorthodox behandelt wird. Es ist auch keineswegs unmöglich, auf einer speziell dafür gebauten oder eingerichteten Spielpfeife z.B. mittelalterliche Stücke oder dergleichen zu spielen.

Die GHB und ihre leisen Geschwister sind also nicht an sich schwieriger zu erlernen als etwa der MarktSack oder die SchäferPfeife, allerdings wird eine sehr saubere Spieltechnik- sei es nun die klassische oder eine freiere, folkige Spielweise- viel selbstverständlicher mit der GHB assoziiert und von ihren Spielern hochgehalten und geradezu gefordert.

Deshalb sollte sich, wer lediglich allgemein den Wunsch hat, Dudelsack spielen zu lernen, bevor er sich aus Reflex ausgerechnet auf die GHB einschießt, erst einmal über verschiedene Dudelsäcke und ihr typisches Repertoire informieren. Es gibt, anders ausgedrückt, genau zwei Gründe GHB zu lernen: Entweder man will schottische oder bretonische Dudelsackmusik spielen oder man zieht einfach ihren Klang anderen Sackpfeifen vor und schert sich nicht um die traditionelle Schule.

Da die GHB von allen Dudelsäcken am meisten Druck braucht, wird die Ausbildung traditionell mit einem Practice Chanter begonnen. Diese einfache, leise Tröte dient nur zur Einübung der Griffweise und Spieltechniken. Beim Umstieg auf das volle Instrument kann man sich so später besser auf Atmung und Armdruck konzentrieren. Viele Spieler benutzen den Practice Chanter auch später noch zum Einüben neuer Stücke. Andere Möglichkeiten zum leisen Üben sind Small Pipes und elektronische GHB. Wer gar nicht die laute GHB, sondern Small Pipes oder Border Pipes spielen will (in vielen Fällen sicher die bessere, spaßigere und sozialere Alternative) kann den Schritt mit dem Practice Chanter auch überspringen.

Schottischen Dudelsack kann man auf die traditionelle Weise kaum ohne Lehrer lernen. Durch das Selbststudium kann man aber auch irgendwie spielen lernen; es kommt ganz auf die eigenen Ansprüche, Vorbildung und Vorhaben an.

Vor- und Nachteile

Vorteile:

  • sehr charaktervolles, unverwechselbares Instrument
  • nicht zu überhören, wenn erwünscht und sinnvoll (z.B. als Marsch in die Schlacht)

Nachteile:

  • geringer Tonumfang (Stückeauswahl eingeschränkt, alles klingt "irgendwie gleich")
  • Nervfaktor hoch
  • viel zu laut und aufdringlich für die meisten Larp-Situationen und zum Zusammenspiel mit den meisten Instrumenten (Border Pipes/Small Pipes als Alternative)
  • realtiv kostspielig

Was beim Kauf zu beachten ist

Bei den meisten Sackpfeifen ist man als Käufer auf einzelne Instrumentenbaumeister angewiesen. Bei der GHB gibt es auch Firmen, die in Serie herstellen und sehr gute Instrumente bauen. Die Instrumente sind ziemlich standardisiert und so kann man teilweise sogar im Nachhinein Bauteile verschiedener Hersteller mischen. Besonders praktisch ist dabei, dass man nicht auf die Rohrblätter eines besonderen Herstellers angewiesen ist, sondern verschiedene ausprobieren kann.

Der einzige Tipp für den Kauf: Als Anfänger niemals ohne die Absegnung eines Lehrers oder mindestens fortgeschrittenen GHB-Spielers. Ob alle Spieltechniken funktionieren kann man ohne Spielpraxis auf Anhieb nicht selbst entscheiden.

Die günstigsten guten GHB sind momentan solche aus Kunststoff und für etwa 1000 Euro zu haben. 2000 Euro ist ein normaler Preis. Bei Border Pipes ist es ähnlich, Smallpipes können etwas günstiger sein.

Umgang, Wartung, Zubehör

Auf der Seite MarktSack sind ein paar grundsätzliche Anmerkungen zum Umgang mit Sackpfeifen. Allgemein ist der Wartungsaufwand bei guten Instrumenten nicht besonders groß, näheres dazu findet man in aller Breite in diversen GHB-Foren.

Bezugsquellen

Ein Anhaltspunkt, um sich mal umzuschauen was es so gibt (und sicherlich keine schlechte Bezugsquelle, aber nur eine von vielen): http://www.mccallumbagpipes.com/


Siehe auch: Dudelsack
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