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SchäferPfeife

Schäferpfeife

Grundsätzliches

Die heute unter der Bezeichnung Schäferpfeife in Deutschland verbreiteten Dudelsäcke sind in ihrer äußeren Form an Abbildungen aus dem 16. und 17. Jahrhundert orientiert. Ihr besonderes Merkmal sind die nach vorne gebundenen Bordunpfeifen, die man z.B. auf der berühmten "Bauernhochzeit" des flämischen Malers Pieter Bruegel des Älteren findet. Die Bau- und Spieltechnik sowie die Stimmung sind allerdings der Einfachheit halber von einem modernen französischen Dudelsacktypus, der Cornemuse du Centre, übernommen, weshalb es sich bei den heutigen Schäferpfeifen nicht um historische Rekonstruktionen handelt.

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Der Ledersack ist rundlich und wird mehr vor dem Körper als unter dem Arm gehalten. Die Spielpfeife ist konisch gebohrt und hat ein Doppelrohrblatt aus Kunststoff oder Arundo donax. Der Klang ist weniger spitz und schrill als bei den Great Highland Bagpipes, aber härter und obertonreicher als beim deutschen Marktsack. Das Instrument ist wesentlich leiser als die beiden vorgenannten Sackpfeifen, aber immer noch ziemlich laut, etwa wie ein laut gespielten Saxophon.

Die Spielpfeife hat 9 Grifflöcher, davon 2 Daumenlöcher für beide Daumen. Die Griffweise wird als "halbgeschlossen" bezeichnet und weicht von der üblichen Griffweise der klassischen Holzblasinstrumente ab. Mit dieser Griffweise ergibt sich eine gleichmäßige Lautstärke aller Töne (beim Marktsack mit Blockflötengriffweise sind die beiden höchsten Töne oft verhältnismäßig leise). Fast alle Halbtöne sind möglich, zudem sind die Pfeifen überblasbar und haben daher einen relativ großen Tonumfang. Die übliche Stimmung ist in G, wobei die beiden Bordune in G (groß G) und g (klein g) klingen und der Tonumfang der Spielpfeife f1 bis c3 beträgt. Auf einem solchermaßen gestimmten Instrument können die Tonarten G-Dur, G-Moll, C-Dur und C-Moll gespielt werden. Um Dissonanzen im Zusammenspiel mit Akkordinstrumenten nicht zu sehr in den Vordergrund treten zu lassen, sind die Bordune meist nicht allzu laut.

Die Schäferpfeife kann wie ihr französisches Vorbild mit vielen Instrumenten zusammengespielt werden, z.B. Drehleier, Akkordeon und Klarinette. Auch andere Kombinationen sind möglich, solange die Tonart und die ausgewählten Stücke passen. Das meiste Repertoire ist Tanzmusik aus der französischen Bal-Folk-Szene. Es finden sich auch viele deutsche, englische,... Volkstänze, ein paar Renaissance-Stücke und Neukompositionen für dieses Instrument. Zudem sind alle "Marktkracher" aus dem Standard-Repertoire des Marktsacks darauf spielbar.

Zu welchem Charakter passt sie?

Schäferpfeifen liegen in ihrem Charakter irgendwo zwischen leise-höfisch und barbarisch-böse. Sie könnten in vielen Situationen passend sein. Traditionell werden sie mit Schäfern (natürlich) und Bauernfesten assoziiert, weshalb sie bestens zum gemeinen Menschenvolk, aber natürlich auch zu Spielleuten passen.

verschiedene Bauweisen

  • Rohrblätter: Natur- und Kunststoffrohrblätter für die Spielpfeife sind gleichermaßen im Einsatz, Vorteile für eine der beiden Varianten sind umstritten. Beides klingt gut.

  • Doppellöcher: Ein Doppelloch für das unterste Griffloch ermöglicht das leichte Spielen des tiefen Leittones fis', der sonst fehlt. Die Stückeauswahl wird dadurch deutlich erweitert.

  • Renaissance-Schäferpfeifen: Selten werden auch Instrumente gebaut, die den Originalen aus der Renaissancezeit näher kommen sollen. Diese unterscheiden sich in Stimmung, Klang und Griffweise deutlich von den modernen Instrumenten. Da die Bauweise der alten Instrumente nicht völlig geklärt ist, gibt es keine einheitliche Lösung.

  • Schulinstrumente: Einfache Instrumente mit nur einem über der Schulter getragenen Bordun. Der fehlende hohe Bordun und die etwas schlichtere Gestaltung ermöglichen ein vollwertiges Instrument zu einem günstigeren Preis.

  • Griffweise: Gelegentlich findet man man Schäferpfeifen mit offener Griffweise. Diese Griffweise erleichtert den Umstieg von anderen Blasinstrumenten, hat aber meistens weniger Halbtöne und klingt auch anders. Tiefe französische Instrumente werden oft traditionell in offener Griffweise gespielt.

  • Hümmelchen in halbgeschlossener Griffweise sind wesentlich leiser als Schäferpfeifen und können nicht überblasen werden. Sie passen in Situationen, wo die normale Schäferpfeife zu laut wäre.

französische Cornamuses

Diese Instrumente unterscheiden sich eigentlich nur äußerlich von der Schäferpfeife. Meistens ist der kleine Bordun neben der Spielpfeife in einem gemeinsamen Stock untergebracht, während der große wie bei den meisten Sackpfeifen über der Schulter liegt oder seitlich vor dem Körper gehalten wird. Der Sack ist meist länglicher und wird mehr unterm Arm statt vor dem Körper gehalten, was manchen Spielern besser liegt, da ein verkrampfen der Finger seltener auftritt.

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Weiterhin gibt es Bauformnen mit 3-4 Bordunen (etwa in c oder g') und verschiedene Stimmlagen. Neben Der Standardstimmung in G gibt es etwa hoch A, tief D, tief C und tief G. Bisweilen wird ein Blasebalg an den Sack angeschlossen, wovon man sich eine bessere Haltbarkeit und Stimmstabilität von Naturrohrblättern verspricht, die dann nicht mit der Atemfeuchtigkeit in Kontakt kommen. Der Blasebalg wird mit dem rechten Oberarm bedient.

Schwierigkeitsgrad

Die Schäferpfeife hat eine Griffweise, die jedem Anfänger, insbesondere, wenn er schon ein Holzblasinstrument spielt, zunächst unbequem erscheint. Für viele Griffkombinationen müssen mehr Finger bewegt werden als z.B. auf der Blockflöte. Dazu muss man sich an das Druckhalten mit Atmung und Armdruck gewöhnen. Sobald man diese Hürden genommen hat, geht es ans Erlernen bestimmter Tontrennungs- und Verzierungstechniken. Auch das Überblasen muss geübt werden.

Trotzdem kann man nicht behaupten, dass die Schäferpfeife besonders schwer zu erlernen sei. Im Vergleich zu klassischen Instrumenten kann man schnell Fortschritte machen. Die halbgeschlossene Griffweise, die viele Interessenten abschreckt, ist für die dudelsacktypischen Spieltechniken so gut geeignet, dass Manche sie letztendlich sogar als Erleichterung gegenüber dem Spiel auf offen gegriffenen Instrumenten wie dem Marktsack empfinden.

Unterricht ist empfehlenswert, Selbststudium jedoch nicht aussichtslos. Ein Standard-Lehrbuch ist "Dudelsack spielen" von Bernard Boulanger.

Vor- und Nachteile

Vorteile:

  • mittlere Lautstärke, die Drinnen wie Draußen passt
  • großer Tonumfang und gute Chromatik
  • vielseitiges Repertoire
  • dadurch insgesamt weniger "Nervpotential" als beim Marktsack

Nachteile:

  • Griffweise erschwert den Einstieg
  • bei niedrigen Temperaturen und Regen ist vom Gebrauch abzuraten
  • wie alle Dudelsäcke realtiv teuer

Was beim Kauf zu beachten ist

Man sollte sich über den Hersteller im Voraus informieren, z.B. die Seiten von Dudelsackforen durchsuchen. Ein Besuch schadet nie und gibt einen Eindruck aus erster Hand. Teilweise muss man mit Wartezeiten von über einem Jahr zwischen Bestellung und Fertigstellung rechnen.

Einfache Schulmodelle mit einem Bordun liegen meist bei etwa 900 Euro, eigentliche Schäferpfeifen mit zwei Bordunen und typischer Optik um 1500 Euro.

Umgang, Wartung

Siehe Marktsack

Bezugsquellen

Ein zweifellos empfehlenswerter deutscher Hersteller ist Matthias Branschke

Hier spielt er eines seiner Instrumente:


Autoren: -- 95.90.182.126 2013-07-07 16:51:04