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RenaissanceSchalmei

Renaissance-Schalmei

Grundsätzliches

Schalmeien sind Doppelrohrblatt-Instrumente, die vom Mittelalter bis ins 17. Jahrhundert in Europa weit verbreitet waren. Im Zuge der historischen Aufführungspraxis werden heute wieder Schalmeien gebaut und besonders für die Wiedergabe von Renaissancemusik eingesetzt. Seltener werden sie auch im Folk und der Musik der Mittelalterszene verwendet (z.B. Schandmaul, In Extremo, Horch!).

Der hölzerne Korpus einer Schalmei ist konisch gebohrt und hat einen großen Schallbecher, wodurch das Instrument eine große Lautstärke und einen kräftigen, nasalen Ton entwickeln kann. Das Doppelrohrblatt wird wie bei der Oboe direkt in den Mund genommen, wodurch geübte Spieler Einfluss auf den Klang nehmen können und (anders als auf der RauschPfeife) auch einen etwas abgetönten, edleren Klang produzieren können.

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(Urheber: Jan Klimeš, Lizenzinfo)

Die Griffweise der 7 Grifflöcher ähnelt der Blockflöte, ein Daumenloch ist allerdings nicht vorhanden. Der Tonumfang kann wie bei der Blockflöte durch Überblasen erweitert werden und beträgt 2 Oktaven, wobei die höchsten Töne schwierig sind und in der Regel vermieden werden. Die höchsten üblichen Töne auf einer C-Schalmei sind z.B. g2 oder a2. Innerhalb dieses Tonumfangs sind viele Halbtöne möglich, jedoch sind diese viel heikler als auf der Blockflöte. Schalmeien sind deshalb prinzipiell auf eine Handvoll Tonarten beschränkt.

Im 16. und 17. Jahrhundert war die Schalmei eines der lautesten Instrumente und wurde deshalb häufig im Freien für Unterhaltungsmusik oder Tanzmusik eingesetzt. Wie alle Blasinstrumente der Renaissance wurde sie dabei kaum allein gespielt, sondern in Ensembles mit 3 oder mehr Stimmen. Um die verschiedenen Stimmen abzudecken wurden Schalmeien in Lagen von "Garklein" bis "Großbass" gebaut. Die tieferen Instrumente werden als Pommern bezeichnet und können sehr groß sein, ein Basspommer etwa misst über 2 Meter. Solche Ensembles produzieren einen sehr prächtigen, erdigen Klang und können auch andere laute Renaissance-Instrumente wie Posaunen, Zugtrompeten, Zinken und Dulzianen sowie Schlagzeug enthalten. Laienensembles in dieser Besetzung sind heute selten.

In der Musik der Mittelalterszene werden Schalmeien gelegentlich zusammen mit Schlagzeug, Marktsäcken und anderen lauteren Dudelsäcken verwendet. solistisches Spiel auf der Schalmei kommt praktisch nie vor und ist nicht besonders eindrucksvoll.

Zu welchem Charakter passt sie?

Da die Renaissanceschalmei ein relativ schwieriges, empfindliches Instrument ist, das allein gespielt kaum Eindruck macht, ist das Spielen im Larp sinnvollerweise den Spielleuten vorbehalten und auch dort nur als Zweitinstrument, sofern man das Glück hat, einen Mitspieler am Dudelsack oder Schlagwerk zu finden.

verschiedene Bauweisen

Wie bereits beschrieben gibt es verschiedene Tonlagen. In der Musik der Mittelalterszene wird normalerweise die Sopranschalmei in C verwendet, da tiefere Instrumente sehr teuer, schwer und unhandlich sind und nur in den speziellen Renaissanceensembles überzeugend klingen. Je nach Hersteller gibt es sehr große Unterschiede in der Griffweise, im Klang, in der Art der verwendeten Rohrblätter und somit auch in der Ansprache. Klappen und Doppellöcher können als Griff- und Intonationshilfen vorkommen.

Schwierigkeitsgrad

Schalmeien klingen scheußlich, wenn sie nicht gut gespielt werden, und gute Spieler sind fast immer Profis. Vorkenntnisse auf der Blockflöte erübrigen zwar besondere Übung der Griffe, der Ansatz diser Instrumente allerdings braucht Übung und Kondition, obwohl es etwas leichter ist, einen Ton rauszukriegen als auf klassischen Blasinstrumenten.

Entscheidend ist die saubere Intonation, da hier viel größere Probleme auftreten als bei allen klassischen Blasinstrumenten oder etwa der Blockflöte. Es gibt kein Instrument, bei dem nicht einige Töne korrigiert werden müssen. Bevor man also kein gutes Gehör ausgebildet hat, ist es verschenkte Zeit, sich an diesen Instrumenten zu versuchen.

Die meisten Spieler im "U-Musik-Bereich" (siehe alte Schandmaul-Alben, In Extremo "Herr Mannelig", Horch!) spielen mit einem starren Ansatz, wodurch sich ein gleichbleibend lauter und schreiender Ton ergibt, der der an die RauschPfeife erinnert. Auf einem gut gestimmten Instrument ist das auch autodidaktisch nicht schwer nachzumachen. Der "Witz" an der Schalmei ist aber gerade, dass man mehr dynamische und klangliche Gestaltuingsmöglichkleiten hat als bei der ähnlichen RauschPfeife. Wer diese Möglichkeiten gar nicht nutzen will, kann sich die Übungszeit sparen und gleich zur Rauschpfeife oder Bombarde greifen.

Vor- und Nachteile

Vorteile

  • authentisch mittelalterliches Instrument, sehr ambientig
  • laut genug für Draußen

Nachteile

  • klingt nur in Gruppen mit Pommern oder Dudelsack richtig gut
  • zu laut zum Zusammenspiel mit vielen Instrumenten
  • nicht leicht zu lernen
  • ohne Kenntnisse im Rohrblattbau problematisch

Was beim Kauf zu beachten ist

Es gibt nicht besonders viele Hersteller, und die Instrumente unterscheiden sich sehr stark in ihrer Machart, Ansprache und damit auch in ihrer Eignung für verschiedene Zwecke. Es ist sehr vorteilhaft, das Instrument beim Hersteller anzuspielen und vorher Rat bei Schalmeispielern zu suchen.

Der Preis für eine Sopranschalmei in C liegt bei ca. 300 bis 900 Euro.

Umgang, Wartung

Ein besonderes Problem ist das Rohrblatt. Da es direkt in den Mund genommen wird, ist es viel stärkeren Belastungen ausgesetzt, als etwa beim Dudelsack und verändert sich durch regelmäßigen Gebrauch. Ohne Kenntnisse im Rohrblattbau, die zu erwerben kosten- und zeitintensiv ist, kann es immer wieder zu Problemen kommen. Nicht, dass das Schalmeispielen ohne solche Kenntnisse unmöglich ist, man geht aber immer das Risiko ein, einen Auftritt mit einem suboptimalen Instrument spielen zu müssen. Wer zufällig einen Rohrblattbauer in der Nähe hat, ist für solche Fälle besser gewappnet.

Bezugsquellen

  • Guntram Wolf baut Schalmeien und Pommern nach Vorbildern aus dem 17. Jahrhundert

  • John Hanchet: Seine spanischen Schalmeien sind sehr günstig und gelegentlich gebraucht zu finden.

  • Fritz Heller baut eine große Auswahl verschiedener Modelle

Verschiedene Dudelsackbauer bieten auch günstige Schalmeien an.


Autoren: -- 95.90.182.126 2013-07-05 10:24:11