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Davul

Davul

(auch Dawul, Dahol, oder Tupan, Tapan genannt)

Die typische Trommel der Musik der Mittelalterszene: Ein Korpus von meist um die 30 cm Tiefe und 40 - 60 cm Durchmesser, der auf beiden Seiten mit je einem Fell bespannt ist. Diese Trommel wird mit einem Schultergurt horizontal vor dem Bauch (oder etwas tiefer fast auf den Oberschenkeln) getragen, dass die Felle nach links und rechts zeigen. Gespielt wird mit einem massiven Bassschläger auf der rechten Seite und einer dünnen Rute auf der linken Seite. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit mit einem sehr bassigen Ton und einem peitschend-hellen Ton zu arbeiten und so auf einem einzigen Instrument die bekannten (modernen) Snare-und-Bass-Figuren umzusetzen (ich sag nur „bum-tschak—bum-bum-tschak“).

Da Davuls ausschließlich für Weltmusik und Mittelaltermusik gefertigt werden, sind sie fast immer mit Schnurrspannung (eingedrehte Spannhölzer, oder lederne Schiebespanner) und Naturfellen versehen. Durch verschiedenartige Felle kann der Klangunterschied zwischen den beiden Seiten noch verstärkt werden. Gerten verschleißen und Brechen schnell. Für ein sicheres und bequemes Gertenspiel ist es wichtig, dass der Spannreif nicht nach außen übersteht. Für einen schönen peitschenden Ton sollte die Gerte mit viel Fläche gleichzeitig aufkommen und leicht nach außen gebogen sein.

Die Davul ist die typische Begleitung des generischen Marktdudelsacks. Wann immer es um rockige Beats und treibende Grooves geht ist die Davul als Bassgeber unschätzbar, schon um unsere modernen Hörgewohnheiten zu bedienen. Natürlich kann man sie wie jede andere Trommel theoretisch zu jeder Musik passend spielen, aber ihre Hochzeiten hat sie als „Party-Drum“.

Ein paar Worte zur Herkunft

Die Davul war und ist noch heute Teil der traditionellen Musik der Türkei. Über die Expansion der Ottomanen wurde sie unter anderem auch in deren Herrschaftsgebiet Südosteuropa verbreitet. Immerhin war sie Teil der ottomanischen Militär- und Repräsentationsmusik (man nimmt an, dass sie so als Vorbild der westeuropäischen „Großen Trommel“ diente). In der traditionellen Musik (gerade zu Festen) dieser Gebiete wird sie meist als Begleitung von Doppelrohrblattinstrumenten, Zurna genannt, gespielt. Die dabei übliche Halterung ist eine Schlaufe der Spannschnurr, in die der linke Arm bis an die Schulter schlüpft und die Davul auf Höhe hält, während die Trommel auf der linken Hüfte/dem linken Oberschenkel abgelegt wird und die linke Hand mit der Gerte stabilisierend auf dem linken Rand liegt. Über Balkan- und Türkeireisen kam dieses Instrument in die Mittelalterszene. Es sind mir zumindest für das europäische Hochmittelalter keine Belege für einen solchen Trommeltyp bekannt.

Vorteile:

  • Durch zwei unabhängig anspielbare Tonlagen erstaunliche Variationsmöglichkeiten.
  • Zusammenspiel von kräftigem Bass und hohen Akzenten kommt den modernen Hörgewohnheiten entgegen.
  • Laut und durchsetzungsstark.
  • Und trotzdem beweglich.
  • It rocks!

Nachteile:

  • Sehr platzraubend bei Transport und Auftritt. Man braucht ja auch etwas Platz zum Ausholen rechts und links (In vollen Tavernen kann das ein erhebliches Problem werden).
  • Teuer. Eine gescheite Davul ist nicht mal eben nebenher angeschafft.
  • Durch große Fellfläche und Sperrigkeit gerade auf Cons sehr anfällig für Beschädigungen der Felle.
  • Laut und durchsetzungsstark! Unbedingt BardenProbleme (und eventuell auch DudelsackÜberdosis) beachten.


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Kategorie/Musik