Seitenname: InTime24h

Larpmeinung: 24 Stunden im Spiel

Zumeist herrscht Konsens darüber, daß zumindest Sanitäreinrichtungen vom Spiel ausgenommen sind. Stephan Sauermann schreibt dazu im Larpinfo-Forum:

Ich persönlich gehe sogar noch weiter. Ich behalte mir vor, mich jederzeit aus dem Spiel zu nehmen, wenn mir nicht nach spielen ist. Und das auch wenn "24h-in-time" vorgesehen ist. Wenn ich mich für ein Spiel anmelde, weiß ich noch nicht, ob mir Monate später danach ist, 24 Stunden in Rolle zu bleiben. Ab einem gewissen Punkt kommt mir dann der Spaß vor der Konsequenz. Wenn mich das Spiel ankotzt, dann nütze ich auch niemandem mehr, wenn ich im Spiel bleibe, weil ich dann auch nicht mehr ordentlich spiele. Es kommt sehr selten vor, aber in einer solchen Situation verdrücke ich mich irgendwohin und laß'; sie alle machen. Ich achte schon darauf, dass ich den anderen nicht im Weg bin, und wenn der Charakter dann in einer tödlichen Lage ist, dann soll er eben draufgehen. Ich bin natürlich dagegen, das als Fluchtanker zu machen, aber wenn ich keinen Spaß am Spiel habe, wird's so oder so kein gutes Spiel mehr.

Wenn mich der Con insgesamt oder die OT-Situation nervt, dann will ich mich aus dem Spiel ausklinken dürfen. Was IT dann mit meinem Charakter passiert, ist Verhandlungssache.

Sinn des Spiels ist es in erster Linie, Spaß zu haben. Das kann man durchaus mit Situationen, die den Charakter ankotzen. Wenn der Spieler aber genervt oder frustriert ist, dann ist das mit dem Spaß schwierig.

Im Falle von "schlechten" Cons funktioniert es meiner Erfahrung nach meistens für alle Beteiligten besser, wenn die, die genervt sind, abseits vom Geschehen vor sich hin spielen können und nicht auf Gedeih und Verderb gezwungen sind, mitzuziehen.

-- RalfHüls, 19.01.2001, 07.11.2003


Wenn man sich allerdings - aus welchen Gründen auch immer - aus dem Spiel nimmt, muß man natürlich zwingend darauf achten, daß man dies nur für sich tut. Für die Stimmung der Anderen ist es wichtig, 24h IT zu wirken. OT-Gespräche sollte man dezent führen und sofort beenden, wenn Spielende auftauchen. Wird man angespielt und will seine Ruhe haben, kann man dies fast immer auch irgendwie durch einen IT-Hinweis erreichen. Paßt das nicht zum Charakter oder zur Situation sollte ein möglichst dezenter OT-Hinweis gegeben werden.


Wenn ich auf dem Großcon vom Heerlager zu den Sanitäreinrichtungen einen Kilometer laufen muß, ist es gegen die IT-Logik, wenn ich dort anspielbar bin, da mein Landsknecht im Feindesland im Zweifel in eine Grube hinter der Palisade scheißen würde und der Quartiermeister das Lager da hätte aufschlagen lassen, wo Wasser unmittelbar zu haben ist. Außerdem ist es OT unfair, daß 50 Leute nichts zu essen bekommen, weil ich statt das Wasser für die Küche 'ranzuschaffen, meine Gefangennahme ausspiele.


Heinz Kreienbaum schreibt im Larpinfo-Forum:

Ich spiel nur mit Leuten

Das ist nun etwas überspitzt formuliert, aber darum geht. Spiel ist Interaktion. Egal obs ums Meucheln geht, oder ums Tavernensitzen. Es braucht immer mindestens zwei Leute die miteinander interagieren. Ob der eine nun Opfer ist, ist egal; auch ein Opfer muss mit mir interagieren.

Es gibt nun offensichtliche Situationen wo jemand eigentlich NICHT mit mir spielt, weil derjenige physisch nicht da ist, oder zum Beispiel schläft. Etwas weniger offensichtliche Situationen sind die wo jemand dringend auf die Toilette will und deshalb nicht mit mir spielen will. Aber das Prinzip ist dasselbe: Ich kann nicht allein spielen, sondern nur wenn jemand auf mich eingehen will.

Wenn ich nun eine Situation habe in der vermutlich jemand nicht auf mich eingehen will oder kann, dann kann ich meinen Spielwunsch gleich streichen und mir jemand anderen suchen. So ein Fall sind Schlafende. Ich muss gar nicht erst nachts in Zelte reingucken um zu wissen dass da ganz bestimmt jemand drin schläft, und der spielt nicht mit mir. Ich muss auch nicht vor der Toilette rumlungern, in der Hoffnung jemand würde gern davor überfallen werden.

Das bedeutet, dass eigentlich sehr viel nicht geht, was man in "Realität" vielleicht machen würde: Zelte niederreisen und anzünden, Leute im Schlaf erstechen usf. Weil der andere in dieser Situation mit mir spielen müsste, es aber nicht kann. Einige Dinge gehen natürlich: Ich kann mich an einer schlafenden Wache vorbeischleichen, oder jemanden bestehlen, oder ein Vampir kann einem Schlafenden zwei Punkte auf den Hals malen. Aber das sind alles Dinge die der Betroffene erst am nächsten Morgen mitbekommt, und auch in "Realität" erst am nächsten Morgen mitbekommen würde. Mit anderen Worten, der Spieler kann auf sowas sofort eingehen wenn er wieder wach ist, ohne irgendeinen Logikverlust zu erleiden.

Im Fall von anderen Aktionen kann er das nicht "He dein Zelt ist gestern abgebrannt, du bist tot". Bitte? "Mein Zelt steht noch wie du sehen kannst, ich steh vor dir, ich glaub du solltest einen Medicus aufsuchen". Im Extremfall führt das dann dazu dass sich die beiden Gegenseitig als Pappnasen titulieren, weil der eine verlangt dass du "konsquent" auf Aktionen eingehst die er gestern effektiv in deiner Abwesenheit an dir getätigt hat, und der andere der Meinung ist dass Aktionen mit ihm gefälligst dann erfolgen sollen wenn er bei Bewusstsein ist.

Ich glaube das ist sowas wie Occams Razor für solche Aktionen: Wenn der andere momentan nicht auf dich eingehen kann oder will, dann kannst du auch nicht mit ihm spielen. Und: Wenn die Situation es erwarten lässt dass dem so ist, dann musst du es gar nicht versuchen.

Das schöne ist, das ganze funktioniert sehr gut ohne grundsätzlich OutTime-Zonen zu definieren. Weil ich weis dass ich zwar Schlafende ausrauben kann, aber bestimmt nicht in aggressive Aktionen einbinden kann. Weil ich weis dass wer auf die Toilette geht bestimmt nicht mit mir spielen will. Für mich ist das trotzdem 24h InTime.

Ich hab das nach einem [http://www.drachenfest.info/forum/viewtopic.php?t=349 Thread im Drachenfest-Forum] realisiert; wo das Problem ist, und dass da zwei komplett verschiedene Auffassungen aufeinandertreffen.

-- SeeGras


Es gab mal einen Con, der war wirklich 24h intime. Dies war der Dragonbane in Schweden, auf dem 5 Tage lang jeder intime war, auch auf den Toiletten, auch im Schlaf. Alle Gegenstände auf diesem Con waren IT, von der Kleidung, über Unterwäsche, Schuhe, bis zu den Gebäuden, die extra für diesen Con gebaut wurden. Plastikzahnbürsten gab es keine und in 30km Umkreis gab es keinen OT Gegenstand. Dies wurde für mich mit dem intensivste Larperlebnis meines Lebens belohnt in dem ich voll und ganz in meinem Charakter aufging und sogar IT träumte. Dieses konsequente 24h intime ist nur möglich vor diesem besonderen Hintergrund und es gibt extrem viele Nachteile, die in Kauf genommen werden müssen. Man kann keine Helden spielen, denn die gehen wie gesagt nie aufs Klo. Im allgemeinen muss der Charakter sehr menschlich und normal sein. Der Charakter kann keine bessere Kondition als der Spieler haben, was im normalen Larp ja bei jedem normalen Soldaten der Fall ist, der von einem Schreibtischtäter/Physikstudenten gespielt wird. Dies in einem normalen Larp umzusetzen halte ich schlichtweg für unmöglich und das, was wir normalerweise als 24h intime bezeichnen ist wie oben schon gesagt die Absicht 24h intime zu wirken.

--TobiasCronert


Zurück zu LarpMeinung


Siehe auch: InTime


Kategorie/Meinung

zuletzt geändert am 2012-07-18 10:58:15 durch Tim Drachenroester