= Minneklage = Einsam klag ich meine Leiden,<
> Im vertrauten Schoß der Nacht;<
> Frohe Menschen muß ich meiden,<
> Fliehen scheu, wo Freude lacht. <
> Einsam fließen meine Tränen,<
> Fließen immer, fließen still;<
> Doch des Herzens brennend Sehnen<
> Keine Träne löschen will. <
> Einst, ein lachend muntrer Knabe,<
> Spielt ich manches schöne Spiel,<
> Freute mich der Lehensgabe,<
> Wußte nie von Schmerzgefühl.<
> Denn die Welt war nur ein Garten,<
> Wo viel bunte Blumen blühn,<
> Wo mein Tagwerk Blumenwarten,<
> Rosen, Veilchen und Jasmin.<
> Träumend süß auf grüner Aue,<
> Sah ich Bächlein fließen mild;<
> Wenn ich jetzt in Bächlein schaue,<
> Zeigt sich mir ein bleiches Bild.<
> Bin ein bleicher Mann geworden,<
> Seit mein Auge sie gesehn;<
> Heimlich weh ist mir geworden,<
> Wundersam ist mir geschehn.<
> Tief im Herzen hegt ich lange<
> Englein stiller Friedensruh;<
> Diese flohen zitternd, bange,<
> Ihrer Sternenheimat zu.<
> Schwarze Nacht mein Aug umdüstert,<
> Schatten drohen feindlich grimm;<
> Und im Busen heimlich flüstert<
> Eine eigen fremde Stimm.<
> Fremde Schmerzen, fremde Leiden<
> Steigen auf mit wilder Wut,<
> Und in meinen Eingeweiden<
> Zehret eine fremde Glut.<
> Aber daß in meinem Herzen<
> Flammen wühlen sonder Ruh,<
> Daß ich sterbe hin vor Schmerzen -<
> [[Minne]], sieh! das tatest du!<
> ''Original von [[http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Heine|Heinrich Heine]]'' ---- zurück zu GedichteSammlung