= Kettenhemd = <> == Geschichtliches == {{http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/22/Morgan_Bible_28r_detail.jpg}} Als '''Kettenrüstung''' oder '''Kettenpanzer''' (auch: '''Ringelpanzer''' oder '''Panzerhemd'''; lat.: '''Lorica hamata'''; ugs. '''Kettenhemd''') bezeichnet man eine Rüstung, die aus zahlreichen ineinander verflochtenen und vernieteten kleinen Metallringen besteht. Aufgabe des Kettenhemds war es Schnittverletzungen zu vermeiden. Der Begriff „Kettenhemd“ wird heute meist nur noch von populärwissenschaftlichen Autoren und Laien verwendet und ist modernen Ursprungs. Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch bevorzugt man die historisch korrekte Bezeichnung '''„Ringpanzerhemd“'''. Sind die Metallringe auf einem Stoff- oder Lederuntergewand befestigt, verwendet man die allgemeinere Bezeichnung '''Brünne'''. Diese Sonderformen der Körperpanzerung beruhen auf Interpretationen der Waffenforscher des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und werden von der modernen Fachwissenschaft teilweise abgelehnt. Im 19. Jahrhundert unterschied man zwischen Ringpanzer- und Kettenhemd. Als Kettenhemden wurden besondere Panzerungen definiert, bei denen schmale Eisenketten direkt auf ein ledernes oder textiles Untergewand aufgenäht wurden. Die Existenz dieser Sonderform gilt nach dem heutigen Stand der Forschung jedoch als unwahrscheinlich. Einen der frühesten Funde von Ringpanzern stellt der Moorfund des Hjortspringboots aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. im heutigen Dänemark dar. Die Kettenrüstungen wurden meistens aus Ringen aus Eisendraht gefertigt. Funde legen aber nahe, dass die Römer mitunter auch Bronzeringe verwendeten. Die Ringe wurden dabei oft miteinander vernietet oder verschweißt. Die Römer verwendeten als spezielle Technik ein Geflecht aus abwechselnd geschlossenen und gestanzten Ringen. Im 12. und 13. Jahrhundert wurde das Kettenhemd zu einer wichtigen Rüstungsform der [[Charaktertipps/Ritter|Ritter]]. Neben dem Kettenpanzer trug man Kettenhandschuhe, den [[Topfhelm]] und die Helmbrünne. Eine komplette mittelalterliche Kettenrüstung, die einen Großteil des Körpers schützte, bestand aus mehreren zehntausend Stahlringen, die miteinander vernietet wurden, um ein Aufplatzen der Ringe – etwa durch Pfeilschüsse – zu erschweren. Deshalb war es äußerst aufwändig, eine solche Rüstung herzustellen, was sich auch im Preis widerspiegelte. Eine Kettenrüstung konnte so viel kosten wie mehrere Dutzend Rinder, weshalb es sich zunächst nur wohlhabende Adlige – und manchmal auch Geistliche – leisten konnten, eine solche Rüstung zu erwerben. Die Hersteller von Kettenrüstungen wurden in Deutschland Panzermacher oder [[RickS./Bastelanleitungen/Sarwürkerei|Sarwürker]] genannt. Eine Kettenrüstung bot einen sehr guten Schutz vor Schnittverletzungen, aber gegen wuchtige Hiebe und kraftvolle Stiche half sie wenig. Deshalb gibt es erstmals für das Hochmittelalter sichere Belege dafür, dass unter oder über der Kettenrüstung eine Textilrüstung getragen wurde, die man als [[SteppWams|Gambeson]] bezeichnete. Dadurch erhöhte sich der Schutz, den eine Kettenrüstung vor Hieb- und Stichwaffen bot. Die Kombination von [[SteppWams|Gambeson]] und Kettenhemd schützte historischen Quellen nach sogar vor Langbögen, Stichattacken und Lanzenangriffen anstürmender Kavalleristen. Nachteilig an einer Kettenrüstung war die Tatsache, dass ein Großteil ihres Gewichts auf den Schultern des Trägers lastete.<
> '''''(Anm. von [[RickS.]]: Deshalb kann ein Kettenhemd für Heranwachsende stark gesundheitsschädlich sein, da die noch im Wachstum befindliche Wirbelsäule solch starke Lasten nicht dauerhaft tragen kann, ohne Schaden zu nehmen!)'''''<
> Diese Tatsache wurde zum Teil dadurch gemindert, dass man einen Gürtel um die Hüfte schlang, so dass einiges Gewicht auf den Beckenbereich abgeleitet wurde. Außerdem bot sie auch in Verbindung mit einem [[SteppWams|Gambeson]] nur wenig Schutz gegen Streitaxthiebe, Streitkolben und Armbrustbolzen. Entgegen landläufigen Vorstellungen ist Rost für Kettenrüstungen kaum ein Problem, vorausgesetzt, sie werden regelmäßig getragen. Nach Auskunft des Experimentalarchäologen Marcus Junkelmann, der viele Erfahrungen mit Nachbauten römischer Kettenpanzer sammelte, reiben sich die Ringe bei Bewegungen des Trägers unablässig aneinander und scheuern so jeglichen Rost noch im Entstehen ab, nicht einmal Einölen ist erforderlich, selbst bei nassem Wetter oder sogar Einsatz im Wasser. Lediglich ein intensiver schwarzer Eisenabrieb ist festzustellen. Bei unsachgemäßer Lagerung kann ein unbenutzter Panzer aber schnell zu einem einzigen Klumpen zusammenrosten, verschiedene Beispiele sind aus archäologischen Funden erhalten. ~-(Quelle: [[http://de.wikipedia.org/wiki/Kettenhemd|Wikipedia]])-~ == Einfaches (unvernietetes) Kettenhemd == Die einfachste Variante bieten Kettenhemden aus Stahl (meist Standard-Baustahl, bzw. Stahldraht), die unvernietet verarbeitet werden.<
> Solche Panzer bekommt man teilweise für 100 € und weniger, allerdings besteht bei solchen Stücken die Gefahr, an ein Kettenhemd zu kommen, das schnell Ringe verliert und irgendwann nach Mottenfraß aussieht.<
> Für manche Charaktere ist ein solch schäbiges Aussehen gewünscht (z.B. [[Charaktertipps/Ork|Orks]]), allerdings kann es schnell für Unmut sorgen, wenn man den Panzer sehr oft reparieren muss oder die Rüstung schnell die Bezeichnung nicht mehr verdient. Eine Alternative wären vernietete Geflechte.<
> __siehe dazu auch:__ * [[RickS./Bastelanleitungen/Sarwürkerei|Sarwürkerei]] - allgemeine Anleitung zum Basteln, bzw. zur Reparatur von Kettengeflechten * [[RickS./Bastelanleitungen/Sarwürkerei#Kauftipps|Kauftipps]] - Tipps und Hinweise zum Kauf eines fertigen Ringpanzers == Metzgerkettenhemd == Eine Zeit lang sehr populär war die sogenannte Metzgerkette, eine Kettengeflecht aus Edelstahl mit verschweißten Ringen. Inzwischen finden solche Geflechte dank der modernen, klinischen Optik kaum noch Verwendung. '''Vorteile:''' * äußerst robust * rostfrei '''Nachteile:''' * wirkt schon aus mittlerer Distanz modern und wenig ambientig * teuer * wird meist nur als Schürzen bzw. Handschuhe verkauft == teilweise vernietetes Kettenhemd == Diese Variante stellt einen Kompromiss zwischen unvernieteten Geflechten und vollständig vernieteten Panzern dar.<
> Teilweise vernietete Ringpanzerhemden sind meist ausschließlich unter den Achseln vernietet und bestehen sonst aus unvernieteten Ringen.<
> Oft ist zu beobachten, dass solche Panzer an den Rändern der vernieteten Stücke reißen und Ringe verlieren. Dennoch sind sie üblicherweise etwas robuster, als gänzlich unvernietete Panzer. == vernietetes Kettengeflecht == Vernietete Kettengeflechte stellen sozusagen die "Königsklasse" der Ringpanzer dar.<
> "Vernietet" bedeutet, dass jeder Ring durch eine Niete so verschlossen ist, dass er nicht mehr zu öffnen ist.<
> Vernietete Kettengeflechte werden häufig "halbmassiv" - also aus 50% vernieteten und 50% gestanzten Ringen gefertigt.<
> Diese Geflechte sind besonders robust und im LARP-Einsatz praktisch nicht zerstörbar.<
> Oft sind vernietete Ringpanzer etwas leichter, als vergleichbare, unvernietete Varianten, da die Ringe in geringeren Drahtstärken dimensioniert werden können, ohne die Stabilität des Panzers zu beeinträchtigen.<
> Es werden zwei Unterarten von vernieteten Geflechten Unterschieden: === Flachringe === Geflechte aus Flachringen bieten eine besonders dichte und "brachiale" Optik. Allerdings verhaken sich die Ringe dieser Geflechte manchmal ineinander, was die Bewegungsfreiheit abrupt einschränken kann.<
> Diese Geflechte sind üblicherweise sehr robust. === Rundringe === Vernietete Rundringe haben üblicherweise eine Abplattung an der Öffnung, durch die die Niete getrieben wird.<
> Diese Geflechte wirken optisch weniger dicht und massiv, wie Geflechte aus Flachringen, was jedoch oft durch geringere Ringdurchmesser ausgeglichen wird.<
> Diese Form des Geflechtes ist die historisch wahrscheinlichste Form in Mitteleuropa, weshalb sie oft auch im Reenactment- bzw. Living-History-Bereich verwendet wird. Die Ansprüche dieser Zielgruppen führen bei vielen Anbietern zu besonders hochwertiger Verarbeitung dieser Geflechte, was sie zu den Spitzenmodellen im LARP macht.<
> Diese Geflechte sind zumeist nicht ohne massive Gewalteinwirkung zerstörbar und werden (nicht ohne Grund) auch bei Stuntshows und Schaukämpfen, bzw. "Ritterspielen" für Publikum eingesetzt. Ein solcher Panzer hält meist ein LARPerleben lang und relativiert so den oft hohen Preis. __siehe dazu auch:__ * [[RickS./Bastelanleitungen/Sarwürkerei#Nieten|Sarwürkerei (Nieten)]] - allgemeine Anleitung zum Basteln, bzw. zur Reparatur von vernieteten Kettengeflechten * [[RickS./Bastelanleitungen/Sarwürkerei#Kauftipps|Kauftipps]] - Tipps und Hinweise zum Kauf eines fertigen Ringpanzers == Materialien: == * '''Stahl''': Hier reicht die Palette von zu weichem, nahezu unbrauchbarem Stahl bis zu sehr gutem Federstahl und von offenen, unvernieteten Geflechten bis zu halbmassiven, bzw. vollvernieteten Panzern. Eine gute Brünierung fördert die Rostresistenz, bannt Rost jedoch nicht vollständig. * '''Edelstahl''': Rostfrei und Pflegeleicht, dafür sehr blitzend und "klinisch", bzw. modern in der Optik. Abgesehen von Metzgerketten findet Edelstahl bei Ringpanzern kaum bis gar keine Verwendung. * '''Aluminium''': Sehr leicht und angenehm zu tragen. Nur vernietet wirklich sinnvoll und wird oft wegen des geringen Gewichtes und der sehr hellen, stark glänzenden Optik von einigen Spielern abgelehnt. Oft mit matter, dunkler "Stahloptik-Beschichtung" angeboten. VORSICHT: Beschichtungen reiben sich schnell vom Geflecht ab und verteilen sich in Form von giftigem Staub auf der Kleidung! * '''Titan''': In den USA erhältlich, sehr leicht und haltbar aber in Deutschland bisher quasi nicht vorhanden und das gleiche Problem wie Alu. * '''Kunststoff''': Für die Dreharbeiten des Herrn der Ringe in großer Stückzahl angefertigt und nur auf große Entfernung optisch überzeugend. In Deutschland quasi nicht vorhanden und nur von wenigen Spielern und Orgas als Rüstung anerkannt. == Verwendung im Larp: == Alleine wegen des günstigen Preises (und nach Punktesystemen vergleichsweise hohen Schutzwertes) wird das Kettenhemd oft und gerne verwendet. Teilweise sieht aber gerade ein Kettenhemd über einem normalen Hemd alles andere als professionell oder verwegen aus. Für einen [[Charaktertipps/Wikinger|Nordmann]] (bzw. "Wikinger") oder sonstige antike oder frühmittelalterliche Rollen mag ein Kettenhemd über der Tunika absolut passend sein, der [[Charaktertipps/Ritter|Ritter]] sollte es zumindest durch [[SteppWams|Gambeson]] und Wappenrock ergänzen. Bei einem [[Charaktertipps/Söldner|Söldner]] dagegen ist es manchmal zuviel des guten, wenn er unter Plattenteilen noch ein volles Kettenhemd trägt. Hier ist unter Umständen ein halbärmliges Kettenhemd viel angebrachter, das dann mit zusätzlichen [[RüstungsFührer|Rüstungsteile]] aufgewertet wird. '''(Meinung''' - unbekannter Autor; ergänzt und verlinkt von [[RickS.]]''')'''<
> Zudem passt zu jeder Form der Ringpanzer-Rüstung ein [[Helm]]. (Meinung von [[RickS.]]) <> <> <> <> <> <> <> <> == Tipps und Tricks == * [[RickS./Bastelanleitungen/Sarwürkerei|Sarwürkerei]] - Basteltipps rund ums Kettengeflecht ---- Zurück zu [[RüstungsFührer]] ---- Autoren: * unbekannterAutor * LucasE am 22.05.2008 * [[RickS.]] 19.11.2014 ---- [[Kategorie/Einsteigertipps]]